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Aktualisiert vor 27 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Chöre: Beim Singen nur wenig zu sagen

18.01.2019

Oldenburg /Garrel Noch vor 100 Jahren war die Sache klar wie Klärchen. Ein Mann von Stand gehörte einer der drei gesellschaftlich tragenden Säulen am Wohnort an: Schützenverein, Turnverein, Männergesangverein (MGV), auch Liedertafel genannt. Doch heute? Nicht nur Klärchen als Begriff ist verschwunden, sondern raumgreifend auch der MGV.

Null Rückmeldung

„Das hat nicht mit der Musik zu tun“, sagt Carl-Mathias Wilke, „das ist eine gesellschaftliche Entwicklung.“ Der in Garrel (Kreis Cloppenburg) lebende Wilke (63), Oberstleutnant a. D., hat neben seiner Bundeswehr-Dozententätigkeit immer ein zweites Leben geführt: das eines Musikenthusiasten, mit besonderer Stimmausbildung vor allem im Chor. „Kurzzeitig habe ich mal parallel in sechs Chören gesungen“, resümiert er lachend.

Weil Wilke eingehend das soziale Umfeld des Chorwesens erkundet hat, referiert er jetzt an diesem Freitag im Rahmen der Reihe „Komponisten-Colloquium“ an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Das Thema: Die Entwicklung der Laienchormusik ab dem 19. Jahrhundert bis heute. Wilke hat von 2012 bis 2016 als Präsident dem Chorverband Niedersachsen-Bremen vorgestanden. 44 550 aktive Sängerinnen und Sänger in 1350 Chören zählt dieser unter seinen 77 000 Mitgliedern.

„Diese Liedertafeln waren Ausdruck des immer größer werdenden Selbstbewusstseins der nichtadeligen Bevölkerung“, erklärt Wilke. Nur Männer trafen sich dort. Geselligkeit war wichtig; es wurden geschäftliche Verbindungen geknüpft wie heute Netzwerke. Es wurde auch gesungen, oft sehr gepflegt. Große Komponisten schufen Werke für Männerchöre. Brahms etwa die Rhapsodie für Altstimme, Männerchor und Orchester.

Seit 1839 spielt etwa der MGV Cloppenburg seine Rolle. „Da kam nur rein, wer seinen Wohnsitz in der Stadt hatte und einen anständigen deutschen Beruf ausübte“, weiß der Referent. Zugereiste verfolgten intensiv das Ziel, in dieser Gruppierung aufgenommen zu werden.

Dass Institutionen dieser Dimension zum Spielball verschiedenster Interessengruppen bis hin zu politischen wurden, liegt auf der Hand. Da war selbst die 1968er-Zeit zumindest kein Segen: „Singende Männer in Chören waren da absolut verpönt. Darunter leidet der Männergesang bis heute.“

Wilke hat 2014 in Lingen ein Chorfest initiiert: „Man(n) singt an der Ems!“. Richtig prima sei das gelaufen – „doch es gab danach null Rückmeldungen“. Die selbstbestimmten Frauen haben längst das Sagen und Singen. Wilke wäre sich sicher: „Würde ich mal auf einem Marktplatz eine spontane Singaktion starten, stünden da wohl 19 Frauen und ein Mann zusammen.“

Mag Singen auch unmännlich geworden sein, für Wilke gilt immer noch eine unausgesprochen männlich geprägte hintergründige Hierarchie, die an Liedertafel-Zeiten anknüpft: „Achten Sie mal auf die Stimmlagen von Frauen, die heute etwas zu sagen haben“, meint er. „Das machen sie in der tieferen Alt-Lage, so kommt es glaubwürdiger rüber, da hören Sie keinen So­pran.“

Vereine aufgelöst

Tenöre und Bässe sind nicht abgeschrieben. Jeder Landesverband spricht gezielt Jungen an. „Felix singt“ da schon im Kindergarten. Wilke propagiert das Singen in Knabenchören, die auch von Männern geleitet werden. Also wünscht er sich zum Referat „männliche Studenten, die später als Schulmusiker auch Knabenchöre ins Leben rufen. In solchen Formationen werden Grundlagen erarbeitet, die Jungen später auch über den Stimmbruch tragen.“

Viele Männergesangvereine haben sich aufgelöst, im Ammerland just zum Jahreswechsel der MGV Vreschen-Bokel, nach 125 Jahren. Andere haben sich zu reinen Frauenchören gewandelt. Ein paar firmieren trotzdem noch unter „MGV“.

Ganz schön souverän, die Frauen!

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