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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gastbeitrag von Regisseur Michael Uhl: Warum das Theater kein Gebäude sein muss

19.06.2021

Oldenburg In unserer allgemeinen Wahrnehmung verflüssigen sich bisher gewohnt stabile Konstanten unseres Lebens. Was gestern noch als sichere, Orientierung gebende Größe galt, kann sich heute schon auflösen. Es ist eine herausfordernde Erfahrung, die wir in den vergangenen Monaten als gesamte Gesellschaft machen mussten.

Zugleich ist es eine Erfahrung, die den Künsten in ihren Prozessen stets begegnet und eine besondere Perspektive prägt – den prozessualen Blick: den nächsten Schritt zu wagen, nicht stehen zu bleiben, obwohl man nicht weiß, wo der Weg enden wird. In all der Energie und Anstrengung, die darin liegt, liegt auch eine schöpferische Chance.

Gefühl von Sicherheit

Neben der Auflösung gewohnter Gewissheiten, erleben wir auch eine Verinselung von Gesellschaft. Blasen bilden sich heraus, in denen sich ähnliche Hintergründe und Interessen treffen und bestärken. Das schafft ein Gefühl von Sicherheit, von Bestärkung. Jede dieser Blasen hat ihre eigene Erzählung von Gesellschaft, die Grenzen schafft. Wen schließen wir darin ein? Und wen schließen wir damit aus?

Wer also ist „Wir“? Welches Bild zeichnen wir von uns als Gesellschaft? Lässt sich aus der Verinselung heraus eine gemeinsame gesellschaftliche Erzählung entwickeln? Was, wenn man die eigene Stadt-Gesellschaft durch die Erfahrungen und Geschichten der anderen neu erleben würde?

Eine Art Mosaik

Michael Uhl ist freier Regisseur für Theater und Hörspiel. BILD: Tobias Frick
Michael Uhl ist freier Regisseur für Theater und Hörspiel. BILD: Tobias Frick

Interaktive Produktion aktuell in Oldenburg zu sehen

Autor dieses Beitrages ist Michael Uhl (49). Er arbeitet als freier Regisseur für Theater und Hörspiel, unter anderem in Regensburg, ­Baden-Baden, Hamburg und Kiel. Am Staatstheater realisierte er u.a. „Zugvögel“ (2008) und „Die Hölle von Donnerschwee“ (2011). Zudem lehrt er an der Hochschule in Ottersberg „Narrative Recherche“.

Zur Zeit ist in Oldenburg seine freie Produktion „Der Schatz von Bloherfel.de“ zu sehen. Die Theaterproduktion hat über Monate hinweg verschiedenste Stimmen und Perspektiven aus dem Stadtteil gesammelt und in eine Abenteuergeschichte eingebettet. Verdichtet in einem interaktiven Hörspiel brechen die Zuschauer damit zu einer Reise durch den Stadtteil auf, der dadurch selbst zur Bühne wird.

Termine sind am 19. (14, 17 und 20 Uhr) und 20. Juni (14, 17 und 20 Uhr). Zusatztermine am 24. (19 Uhr), 25. (16 und 19 Uhr), 26. (14, 17 und 20 Uhr) und 27. Juni (14, 17 und 20 Uhr) Der Eintritt ist frei, Voranmeldung erforderlich unter

    www.bloherfel.de

Dabei geht es weniger um eine Einheitserzählungen, sondern eher um eine Art Mosaik. In dem jedes narrative Bausteinchen um sich, aber auch um die anderen weiß. Es braucht nicht viele Bausteine, um eine große Erzählung zu skizzieren.

Aber die Steine müssen unterschiedlich sein, farbig und bunt. Dann füllen sich auch die Zwischenräume – durch die Betrachter, die Zuhörer, das Publikum, uns alle.

Künstlerische Recherchearbeiten vermögen dies. Sie können verschiedenste Stimmen und Perspektiven sammeln und in einer künstlerischen Form gemeinschaftlich erlebbar machen. Interaktive künstlerische Formate lassen die Zuschauer zu Akteuren werden – die sie ja auch gesellschaftlich sind. Und sie erheben den öffentlichen Raum zur Bühne. Den Alltag zum Installationsraum. Bürgerinnen und Bürger setzen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Bewegung – mit ihren Geschichten.

Spielerische Verabredung

Für manche Fragestellungen braucht Theater kein Gebäude. Es braucht einen gemeinsamen Aufbruch, Fragestellungen mit einer künstlerischen Haltung anzugehen. Und die spielerische Verabredung mit dem Publikum, Momente gemeinsam zu teilen.

Schlussendlich ist es eine Mach(t)-Frage: Wessen Geschichten werden erzählt? Was prägt unseren Blick auf unsere Stadt, unser Miteinander? Wer ist „Wir“? Es sind die Geschichten, die wir einander über uns erzählen.

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