OLDENBURG - Oliver Pocher hatte sich schnell auf Imke eingeschossen. Der Comedian, der mit seinem Programm „Gefährliches Halbwissen“ in der ausverkauften Oldenburger Weser-Ems-Halle auftrat, hatte die erste Runde seiner Show noch gar nicht richtig eingeläutet, als er Bekanntschaft mit der 20-jährigen Oldenburgerin machte. Vermutlich war nur ein kurzer Disput zum Aufwärmen mit der jungen Dame aus der ersten Reihe vorgesehen – er wurde jedoch zum fast abendfüllenden Programm.
Pocher bearbeitete die 20-Jährige beharrlich im Zwiegespräch. Kein Berufswunsch, keine Hobbys, nur Schlafen nach der Schule: Ein „gefundenes Fressen“ für den TV-Star, sehr zur Freude des Publikums.
Dass der 30-jährige Stand-Up-Comedy und Spontanität beherrscht wie kaum ein anderer, ist kein Geheimnis. So wechselte der Comedian in seinem Programm von einstudierter Unterhaltung immer wieder zum improvisierten Zusammenspiel mit dem Publikum. Gern gesehenes Opfer war auch das weibliche Geschlecht.
Das funktionierte und kam an. Einstudierte Sequenzen wirkten da im Vergleich oft nur als Beiwerk.
Auf der Bühne befand sich Pocher in einem Boxring. Der Entertainer lief zwar zur Musik von „Thunder“ in weißem Mantel und Boxhandschuhen in die Halle ein, einen weiteren Bezug zur Sportart blieb er indes schuldig. Vermutlich wäre er sowieso nicht über die vollen zwölf Runden gekommen, sondern vorzeitig disqualifiziert worden. Beim Boxen sind Schläge unterhalb der Gürtellinie verboten. Auf genau dieses Mittel griff Pocher häufig zurück, wenn auch „nur“ verbal.
So wünscht er sich, dass beim Geräteturnen auch „Geräte turnen“, die Internet-Suchmaschine „google Höhle“ entwickelt wird, um Osama Bin Laden aufzuspüren und Deutschland endlich das Pendant zur US-Visum-Karte zur Einreise auf den Markt bringt, in der sich US-Bürger ähnlich gläsern zeigen müssen wie jetzt die Deutschen auf Amerika-Reisen. Sogar in der Bibel hat der Late-Night-Comedian Verwerfliches gefunden. Dass dies gnadenlos zitiert wird, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.
„Gefährliches Halbwissen“ lebt vom Überraschungsmoment. Einen Großteil des Programms kennt der Pocher-Fan bereits aus dem Fernsehen, so sein Auftritt als „Morta Della“ in Anlehnung an den Magier Uri Geller. „Ich bin organisiert in der IG Mental“, witzelte der Entertainer. Als Zugabe lieferte er seine allseits bekannten Parodien auf Oliver Kahn und Mario Barth.
Für den Liebhaber der obszönen und zynischen Komik bleibt der Abend unvergessen. Das Publikum würdigte die Leistung mit viel Applaus. Pocher gab diesen Dank mit einem Zitat seines Spezies Kahn zurück: „Man muss dahin gehen, wo es weh tut. Auch nach Oldenburg.“
