OLDENBURG - Kinder: klein, groß, gespannte, und müde. Und Eltern, Großeltern: jung, alt, auch Lutscher-lutschende – ein bunt gemischtes Publikum. In der Schönheit des Schlosses wurde am gestrigen Sonntagnachmittag die Fantasie angeregt, gelacht, geklatscht und gelauscht.

Kleine Köpfe drehen sich nach hinten, sehnsüchtige Augen suchen ein vertrautes Gesicht, denn heute sind die ersten fünf Reihen im Oldenburger Schloss nur für die „kleinen Gäste“ reserviert, Eltern und Großeltern müssen schweren Herzens hinten sitzen.

Das bunte Familienfest beim Schloss bot den Abschluss der diesjährigen Oldenburger Promenade. Lutz Lansemann präsentierte zusammen mit den Bremer Philharmonikern unter der Leitung von Florian Ludwig „Die Moldau“, eine sinfonische Dichtung von Bedrich Smetana (1824-1884), eine musikalische Erzählung für Kinder und Erwachsene.

Die jungen Stimmen werden lauter und klingen aufgeregt, ein Zeigefinger nach dem anderen zeigt auf die Bremer Musiker, die gerade die Bühne betreten, Getuschel – besonders in den ersten Reihen. Aber es gibt auch Momente, da ist der Saal für Sekunden ganz ruhig. Zum Beispiel als die Moldau ein „Fluss geworden“ ist, und die Musik erklingt.

Zu jedem Abschnitt hat Lutz Lansemann eine passende Geschichte, jedes Instrument eine bestimmte Aufgabe, seien es die Wassertropfen der Geigen oder das warme Wasser der Klarinetten, letztendlich setzt sich alles zusammen und bildet „Die Moldau“.

„Hintern hoch!“ – heute gibt es für die Eltern sicher keine Sonntagsruhe, da wird „abgerockt“, „abgehottet“, oder ein Ritter auf hohem Ross imitiert. Ergebnis: viele Lacher – vor allem im „Altenteil“ des Publikums.

Lutz Lansemann: solch eine Unterhaltung wünscht man sich öfter mal für die Kleinen. Schon in den ersten Sekunden starrten gespannte und lachende Kinderaugen in die gleiche Leere wie Lutz – versucht, auch den Ritter in seiner glänzenden Rüstung auf der Burg zu entdecken, von dem er so schwärmend erzählt.

In der Pause können sich alle noch einmal kräftig stärken, bevor „Die Moldau“ erneut erklingt, diesmal ohne lyrische Erzählungen. Aber natürlich nicht bevor die Geschichte ordnungsgemäß wiederholt und abgefragt wurde.

Jetzt lauschen die Zuhörerinnen und Zuhörer den bekannten Klängen und beobachten die Musiker, die mal schnell, mal langsam, die Töne hervorzaubern. Gerade weil an diesem Sonntag es natürlich Ablenkungen von der hohen Qualität der Musik gab, verdienen die Bremer Philharmoniker mit Florian Ludwig besonderes Lob, die für dieses große Schauspiel eine erstklassige Musik lieferten.

Und am Ende und immer wieder zwischendurch, da singt das ganze Publikum: Das blaue Band der Moldau durchs Böhmerland fließt – ihr Wiesen und Felder seid mir gegrüßt …