OLDENBURG - „Wir schaffen es wohl nicht, über dieses Buch zu streiten – auch mir hat es sehr gut gefallen.“ Das sagte Heinrich Schmidt, der einen vorzüglichen Moderator abgab, und beschrieb damit trefflich die Stimmung innerhalb des „Historischen Quartetts“ – das sind drei Professoren der Uni Oldenburg und ein Gast –, das sich zweimal im Jahr trifft. 140 Zuhörer waren jetzt in Oldenburg in die OLB gekommen und erlebten eine harmonische Diskussion. Gast des Abends war der Historiker Arnold Esch, der bis 2001 Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom war. Im Gepäck hatte er „Wahre Geschichten aus dem Mittelalter“ (C.H. Beck, München, 223 S., 22,95 Euro).
7000 lateinische, teils höchst amüsante, aber fast immer auf Gewalt beruhende Gesuche, die gewöhnliche Bürger des Mittelalters an den Papst richteten, hat der Hochschullehrer für mittelalterliche Geschichte verarbeitet. Leider stellte Esch sein Werk als letztes vor, als die Zeit unerbittlich auf zwei Stunden zulief.
Den zeitlich größten Brocken hatte sich gleich zu Beginn Hans-Henning Hahn geschnappt, der die Biografie über „Abraham Lincoln“ von Jörg Nagler sehr ausführlich beschrieb (C.H. Beck, 463 S., 26,90 Euro). Keine Mythengeschichte, sondern eine politische Biografie, die zarte Tupfer auf den Heiligenschein von Lincoln werfe, so die Experten.
Fast ebenso viel Sympathie ergoss sich über die Biografie über „Luise von Preußen – Königin der Herzen“, die Gunilla Budde mitgebracht hatte (C.H. Beck, 286 S., 19,95 Euro). „Der Autor Daniel Schönpflug möchte am Zuckerguss dieser Lichtgestalt kratzen, aber es gelingt ihm nicht, sie zu entzaubern“, stellte sie zufrieden fest. Ein bisschen Gegenwind blies Hahn, der den realen Kontext in Preußen verzeichnet und fehlerhaft fand, während Esch dem zauberhaften Schutzumschlag – er zeigt ein Porträt der schönen Luise – erlag. „Ein hübsches Buch“, lautete die Bilanz, die für einen ganzen Abend gilt.
