OLDENBURG - In seinem Hauptberuf war er Jurist, aber er war auch ein großer Theaterliebhaber, der als Kritiker selbst Stücke schrieb und in der Nazi-Zeit gedemütigt und verfolgt wurde: Vor 40 Jahren, am 20. Juni 1970, starb der Rechtsanwalt Erich Schiff in Oldenburg.
Geboren wurde er 1882 in Elsfleth. Sein Vater war der Bankier und Landtagsabgeordnete Gustav Adolf Schiff (1835–1914). Nach dem Schulbesuch in Elsfleth und Oldenburg studierte Schiff dann Jura in Freiburg und Berlin. 1905 ließ er sich als Rechtsanwalt in Oldenburg nieder, machte sich einen Namen als Strafverteidiger und wurde 1925 Vorstandsmitglied in der Oldenburger Rechtsanwalts- und Notarkammer. Schiffs große Leidenschaft galt dem Theater, er schrieb Rezensionen für die „Nachrichten für Stadt und Land“, war Mitglied im städtischen Bühnenausschuss, verfasste Stücke und bearbeitete Stoffe für das niederdeutsche Theater.
Parolen am Haus
Mit der Nazi-Zeit, die in Oldenburg ja schon 1932 durch Wahlergebnisse begonnen hatte, kam für Schiff eine lange Zeit der Demütigungen. Er wurde 1932 als Theatersyndikus abgesetzt, am 1. April 1933 wurde vor seinem Haus eine SA-Wache aufgestellt mit dem Plakat: „Nehmt keinen jüdischen Rechtsanwalt“. Schiff stammte aus einer protestantischen Familie, seine Großeltern väterlicherseits waren Juden gewesen.
Schiff wurde aus dem Anwaltsverein ausgeschlossen, als Syndikus des Oldenburger Automobilclubs abgesetzt. Zwar blieb Schiff Rechtsanwalt, weil er im Sinne der Gesetzgebung nicht als Jude galt, gleichwohl verschlechterte sich seine Situation, wurde sein Haus mit rassistischen Parolen mehrfach beschmiert. Er durfte keine Lehrlinge ausbilden, die Gestapo durchsuchte sein Haus, er wurde aus der Casino-Gesellschaft und selbst aus seiner Schüler-Verbindung ausgeschlossen.
Bundesverdienstkreuz
Schließlich wurde Schiff 1944 in ein Zwangsarbeitslager bei Holzminden gesteckt, wo er mit anderen sogenannten Mischlingen interniert wurde. Schiff überlebte Krieg und Nazi-Zeit. Er ließ sich wieder als Rechtsanwalt nieder, vor allem aber widmete er sich dem Theater.
Einige von denen, die seinen Drangsalierungen zugesehen oder sie schweigend in Kauf genommen hatten, haben sich später gewiss über die Komik in Schiffs Stücken amüsiert. Die Oldenburger August-Hinrichs-Bühne führte zahlreiche seiner Stücke zwischen 1947 und 1971 auf, darunter auch „Lüttje Wippsteert, „See“, „Klävemann speelt Levemann“, „Lögen hefft korte Been“ und „Dat Geld liggt up de Bank“. 1960 wurde Schiff mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
