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GESCHICHTE Plakat nach 64 Jahren wieder zurück

THOMAS HUSMANN

OLDENBURG - Mit der Hand weist Doris Weiler-Streichsbier aus dem Restaurant „Bestial“ hinüber auf die andere Straßenseite, zeigt mit ein wenig Stolz auf das von Scheinwerfern in helles Licht getauchte Gebäude. „Das ist unser Staatstheater“, sagt sie ihren kanadischen Gästen am Tisch. „Weiß ich“, antwortet ihr Gegenüber überraschend. Dore Blais begleitet ihre Tochter und deren Gesangsensemble aus Kanada auf einer Tournee durch Europa.

Gastspiel vor 64 Jahren

Woher Dore Blais das Oldenburgische Staatstheater so genau kennt? Ihr Vater hat dort auf einer Tournee des kanadischen Soldatentheaters Station gemacht – vor 64 Jahren. Die Kanadierin kramt in ihrer Handtasche und zieht ein zusammengefaltetes Plakat hervor. Es wirbt in Oldenburg für das Gastspiel des „E.N.S.A. Garrison Theatre“ am 29. Oktober 1945. Freier Eintritt für alle alliierten Streitkräfte in Uniform, ein ziviler Freund oder eine Freundin dürfen mitgebracht werden. Titel des Stücks: „Hold your Hat“ (Halte Deinen Hut fest). Gespielt werden Musikstücke mit Tanzdarbietungen, die männlichen Truppenangehörigen müssen auch die weiblichen Rollen übernehmen.

Als Soldat in Assen

Auf der Bühne steht auch Hugh McColloch Ettles, der Vater von Dore Blais, den es mit der 5. Kanadischen Panzer-Division (5th Canadian Armoured Division) nach Assen in Holland verschlagen hat.

„Wenig zu tun gab es dort“, erinnert sich Ettles, der vor wenigen Wochen von Doris Weiler-Streichsbier gemeinsam mit ihrem Ehemann in Kanada besucht wurde. Erfreut hätten die Soldaten den Vorschlag ihres Vorgesetzten aufgenommen, nach New Yorker Vorbild eine interaktive Schau zu inszenieren. Ettles trat als Sanitäter auf.

Das Gastspiel in Oldenburg hat Ettles heute noch in angenehmer Erinnerung. Die Menschen seien so freundlich und offen gewesen, die Stadt nahezu unzerstört. Zehn Tage blieb die Theatertruppe in der Stadt und trat währenddessen siebenmal auf.

Das Staatstheater, von dem Ettles später seiner Tochter Dore erzählte, machte auf den damals 21-Jährigen großen Eindruck. Zum einen wegen der prächtigen Kostüme für die seit September wieder laufenden Aufführungen, zum anderen wegen eines Ibach-Klaviers, das aus seiner Sicht das beste auf der gesamten Tournee war.

84 Jahre ist Ettles mittlerweile alt und wohnt in Kelewona/Kanada. Aus Europa kehrte er wenig später als Soldat mit vielen Erinnerungen, Bildern und eben dem Plakat im Gepäck nach Kanada zurück. Später wurde er Grafiker in Toronto und arbeitete als Art Director für General Motors.

Zurück nach Europa

Von seinen Erinnerungsstücken hat sich Ettles gern getrennt und sie Doris Weiler-Streichsbier, kommissarische Leiterin des Landesmuseums für Kunstgeschichte und Kultur, mit auf den Weg zurück nach Europa gegeben. Ein paar Bilder gehören dazu und ein Programmheft. Staatsarchivsleiter Gerd Steinwascher freut sich über die weitgereisten Erinnerungsstücke, die nun Teil des Bestandes „Staatstheater und Staatsorchester Oldenburg“ sind.

Den Kontakt zum Gesangsensemble „Candesca“ in Kelowna/Kanada hatte übrigens Brigitte Plambeck-Rätz von der Service-Organisation „Soroptimist International“ hergestellt. Deren Schulfreundin Ute Freitag lebt seit Jahrzehnten in Kanada und half dem Ensemble, das in British Columbia bereits viele Preise gewonnen hatte, bei der Vorbereitung seiner Tournee in Europa.

Die Enkeltochter des ehemaligen kanadischen Besatzungssoldaten mit ihrem Ensemble „Candesca“ in Oldenburg – da schließt sich der Kreis.

Kanadier marschierten 1945 in Oldenburg ein

Oldenburg

wurde am 3. Mai 1945, einem Donnerstag, kampflos von alliierten Truppen besetzt. Oberbürgermeister Heinrich Rabeling übergab die Stadt der 2. Kanadischen Infanterie-Division. Neben den Kanadiern waren auch britische Truppen, darunter Schotten, beteiligt.

Noch am Morgen

des 3. Mai sollen auf dem Flugplatz Ahlhorn alliierte Bomberverbände zum Angriff bereit gestanden haben. Gleichzeitig sammelten sich über der Nordsee weitere Verbände. Gemeinsames Ziel – Oldenburg. Sie wurden erst gestoppt, als die kampflose Übergabe der Stadt gesichert war.

Rabeling hatte Oldenburg nach Abzug der deutschen Truppen aus der Stadt gerettet.

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