OLDENBURG - Im Laufe der Jahrhunderte waren persische Truppen immer wieder weit von ihrer Heimat im Einsatz und hinterließen in vielen Gebieten der Welt ihre Spuren. Davon zeugen auch die umfangreichen Sammlungen von Waffen und Rüstungen in Europa, beispielsweise im Historischen Museum in Dresden, der Wallace Collection in London oder dem Kunsthistorischen Museum in Wien.
Im Nahgefecht
Auch im Bestand des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg finden sich Beispiele für die Kunstfertigkeit der persischen Waffenschmiede. Drei zentrale Bestandteile einer persischen Rüstung aus dem frühen 19. Jahrhundert werden nun als Kunstwerk des Monats Januar im Landesmuseum ausgestellt.
Der Helm (persisch: Kula-Kudh) besitzt die für Persien klassische Form einer Halbkugel, an deren oberen Ende eine Spitze thront. Zum Schutze des Halses und der Nackenpartie ist am unteren Rand des Helmes ringsum ein Geflecht aus kleinen Metallringen angebracht. Nur die Gesichtspartie bleibt frei, wobei die Augen ebenfalls durch das feine Geflecht bedeckt werden.
Der kreisrunde Schild (Sipar) wurde in der Regel am linken Unterarm getragen, um Pfeile abzuwehren und den Oberkörper im Nahgefecht zu verteidigen.
Die Armschiene (Bazuband) folgt in ihrer Wölbung der Rundung des Unterarmes, dessen ungefähre Länge sie auch besitzt. Zusätzlichen Schutz bietet ein Handschuh, der aus rotem Stoff gefertigt ist und an dessen Oberseite ein metallenes Kettengeflecht angebracht ist.
Alle drei Objekte sind mit einer aufwendigen Blumenornamentik besetzt. Auf Helm und Schild findet sich zudem eine Inschrift in stark kalligrafisierten persischen Schriftzeichen. Teile dieser eingravierten Verzierungen weisen schöne goldene Einlagen auf.
Da sich im 19. Jahrhundert bereits eine andere militärische Ausrüstung durchgesetzt hatte, kann man davon ausgehen, dass die Oldenburger Rüstungsgegenstände nicht im Feldgebrauch genutzt wurden. Wahrscheinlicher ist, dass sie als Teile einer Prunkrüstung bei der Nachstellung der historischen Schlacht von Kerbela während der Taziya, einem Gedenk- und Trauerfest des schiitischen Islam, zum Einsatz kamen.
Örtlicher Architekt
Genau belegen lässt sich diese Annahme, jedoch nicht. Sicher ist nur, dass das damalige Oldenburger Kunstgewerbemuseum die Objekte 1890 von dem ortsansässigen Architekten Ludwig Klingenberg erwarb. Klingenberg, der unter anderem das Alte Kurhaus in Bad Zwischenahn und das Hotel Graf Anton-Günther in Oldenburg entworfen hat, besaß großes kunsthandwerkliches Interesse und gehörte zu den Mitbegründern des Museums.
