Oldenburg - Das Vorurteil über Archivare: Sie arbeiten in dunklen Räumen an staubigen Akten. Die Realität des Jahres 2020: Archive sind längst im digitalen Zeitalter angekommen. Das Landesarchiv Oldenburg bietet über das Archivinformationssystem „Arcinsys“ einen digitalen Lesesaal, der den Nutzern die Archivarbeit vom heimischen Bildschirm aus ermöglicht.

Ein Vertrag der Bremer Bürger mit Graf Johann von Oldenburg aus dem Jahr 1261? Bitteschön! Per Mausklick abrufbar, sogar ohne Anmeldung. Interesse an der Geschichte des Küstenschutzes? Auch da gibt es digitalisierte Dokumente. Wie steht es um die Familiengeschichte? 450 Personenstandsregister (Namensverzeichnisse) sind erschlossen. Auch da sind Digitalisate, wie Archivare die digitalisierten Akten, Fotos, Karten oder Namensverzeichnisse nennen, vorhanden.

Noch ist die Zahl überschaubar, aber die Digitalisierung schreitet voran. „Jedes Jahr wächst der digitale Anteil“, sagt Dr. Kerstin Rahn, Leiterin des Landesarchivs seit 2019. Die Digitalisierung erleichtert es den Nutzern, die nicht extra anreisen müssen und auch außerhalb der Archivöffnungszeiten Zugriff haben. Natürlich schützt die Digitalisierung auch Archivgut. Denn nichts fürchten Archivare mehr als unsachgemäßen Umgang mit historischen Dokumenten.

Mit der Zahl der Digitalisate stieg auch die Zahl der digitalen Nutzer, „auch deshalb hat die Digitalisierung einen hohen Stellenwert“, sagt Archivleiterin Rahn. Ob mal alle zehn Kilometer Dokumente digital abrufbar sind? Wohl nicht, wohl aber werden zumindest alle Aktenbestände digital erschlossen, das heißt, es gibt eine Art Inhaltsangabe, was der Nutzer erwarten kann.

Auch für zeitgeschichtliche Forschung bietet das Landesarchiv eine Fülle von Quellenmaterial. Zur Geschichte des Nationalsozialismus in Oldenburg gibt es Aktenbestände (vieles wurde von den Nationalsozialisten vernichtet), die erschlossen sind. Auch ein Verzeichnis der Mitglieder der NSDAP in der Stadt Oldenburg – bis diese Namensliste freilich digital abrufbar ist, wird aus datenschutzrechtlichen Gründen noch einige Zeit vergehen.

Niedersachsenweit sind 36 000 Archivalien digitalisiert – Urkunden zur ostfriesischen Geschichte des Spätmittelalters, historische Karten aus Oldenburg (500 Exemplare) oder auch Plakate aus Hannover und Stade. Alle Dokumente sind in „Arcinsys“ recherchierbar. „Und es werden von Tag zu Tag mehr“, sagt Archivleiterin Rahn.