OLDENBURG - „Erschütternd! Dass es so viele Kinder waren, hätte ich nicht gedacht“, schreibt Susanne (48) aus Oldenburg ins Gästebuch. Und der achtjährige Janno schreibt: „Wie viele auf einen dummen Menschen hören.“ Diese und ähnliche Gedanken hatten wohl viele Besucher des „Zugs der Erinnerung" im Oldenburger Bahnhof. Auf Gleis 61 stand der Zug mit den drei Waggons, der Geschichten erzählt: Familiengeschichten, Liebesgeschichten, empörende und erschütternde Geschichten – Biographien von Kindern und Jugendlichen aus Deutschland und Österreich, die deportiert wurden.

Seit 2007 macht der „Zug der Erinnerung“, gegründet vom gleichnamigen Verein, der aus Bürgerinitiativen besteht, Halt an Bahnhöfen in ganz Deutschland und in Polen. Die Geschichten sollen erinnert werden und nicht vergessen machen, was Kindern und Jugendlichen aus ganz Europa in den Konzentrationslagern angetan wurde.

Es ist still im Zug, die Besucher gehen sichtlich bewegt, teilweise kopfschüttelnd durch die Abteile, die umfunktioniert wurden in kleine Räume mit ihren eigenen Geschichten. Wie zum Beispiel die Liebesgeschichte von Helga und Rudi, die auseinander gerissen wurden, weil Rudi als „jüdischer Mischling 1. Grades“ eingestuft wurde – sie sahen sich nie wieder. Fotos an den Wänden zeigen Familien, Kinder und Originaldokumente. Beim Weitergehen sieht der Besucher Kurzfilme. Stimmen Überlebender, die ihre Geschichte erzählen, gehen dem Besucher unter die Haut. Zum Schluss dann auch Fotos von lachenden Kindern: die Befreiten – ein Trost ist das aber nicht. „Die meisten Besucher kommen sehr bewegt aus der Ausstellung heraus“, sagt Petra Molz, die den Zug auf seinen Stationen begleitet.

Auch um Oldenburg geht es: Im dritten Waggon hängen Plakate, die an die Juden in der Umgebung erinnern, wie Wolf Weinberg, der 1945 in Auschwitz starb. „Es ist wichtig, zu erinnern“, sagt Molz.