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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Literatur: Pudelmütze führt zu den Pyramiden

24.07.2019

Oldenburg /Hamburg Ist es der nette Stabreim? Jedenfalls gibt es nur wenige Bücher, von denen der Titel so bekannt ist.

„Götter, Gräber und Gelehrte“ – da horcht nicht nur der Laie auf, da freut sich auch der Fachleser, denn der „Roman der Archäologie“ von C. W. Ceram ist bis heute ein Bestseller. Über 100 Auflagen meldet der Rowohlt-Verlag. Vor fast genau 70 Jahren kam das Buch erstmals in den Handel.

Im Oldenburger Schloss

Der Autor landete 1945 nach kurzer Kriegsgefangenschaft in Oldenburg. Er hatte 1941 ein Werk über Narvik im Oldenburger Stalling-Verlag veröffentlicht, nun erhielt er als heimkehrender Autor einen Lektorenvertrag. Auf der Suche nach Literatur landete er in Oldenburgs Schloss – und in der großherzoglichen Bibliothek, die ein altes Männchen hütete. „Da stand ich“, notierte der Verfasser später, „durch einen Zufall nach Oldenburg verschlagen, und sah mich nicht nur einer der wenigen unzerstörten Bibliotheken gegenüber, sondern einer wohl einmaligen archäologischen Spezialbi­bliothek!“

Er beschließt, ein Buch zu schreiben. Was lag näher? Es sollte der spannende und authentische Roman der internationalen Archäologie werden. Ein Roman über Heinrich Schliemanns Entdeckung der Stadt Troja oder Flinders Petries Ausgrabungen in Ägypten. Schon am nächsten Tag sitzt er mit geborgter Pudelmütze in seinem Kradfahrermantel in der eiskalten Bibliothek. Vier Wochen lang liest er Tag und Nacht. Heimlich nimmt er Bücher mit nach Hause.

Hans Zehrer lockt ihn bald als Feuilletonredakteur nach Hamburg zur Tageszeitung „Die Welt“. Ernst Rowohlt macht ihn zum Lektor seines Verlages – in dem Rowohlt bald alle für verrückt geworden hielt. „Scheint mir ziemlicher Quatsch zu sein“, sagte Rowohlt vor allen zu seinem Lektor. „Archäologie! Will doch kein Mensch wissen! Aber egal. Kommen Sie rüber damit.“ Indes, der rührige Verleger konnte sein Glück kaum fassen, als die Bestellungen der Buchhändler auf den Tisch flatterten. 448 Seiten umfasste der Schmöker über vergrabene und vergessene Kulturen aus 5000 Jahren Menschheitsgeschichte. Aber wer sollte so einen Schinken in Massen kaufen?

Lektor Kurt W. Marek (1915–1972) hatte das Manuskript angeschleppt. Dem erstaunten Verleger enthüllt er erst kurz vor der Drucklegung, dass er, der in Oldenburg die Idee für das Buch entwickelt und am runden Tisch der Witwe Bossen die ersten Seiten geschrieben hatte, selbst hinter dem Pseudonym Ceram steckt.

Erste Million in Sicht

Marek hatte angeblich nicht einmal seinen engsten Freunden von dem Werk erzählt. Und Marek hatte für das Pseudonym Ceram die Buchstaben seines Namens von hinten nach vorn gelesen und ganz leicht verändert. So eine spezielle Art von Pseudonym nennt man dann Ananym. Der neue Name sollte natürlich auch davon ablenken, dass Marek, der während des Weltkriegs Kriegsberichterstatter war, in der NS-Zeit den Durchhalteroman „Wir hielten Narvik“ verfasst hatte.

Im Herbst 1949 kam „Götter, Gräber und Gelehrte“ von Ceram auf den Markt. Es wurde der größte Sachbuchbestseller der deutschen Nachkriegszeit.

Nach sechs Wochen war bereits die erste Auflage vergriffen. Im zweiten Jahr wurden schon 77 000 Stück verkauft – und die erste Lizenz in die Vereinigten Staaten. Jahr für Jahr setzte man immer mehr Bücher um. Mitte der 60er-Jahre kam die erste Million in Sicht. Heute ist das prachtvoll zu lesende Werk (schönstes Kapitel: „Das Buch der Pyramiden“) in fast 30 Sprachen und weit über fünf Millionen Exemplaren verbreitet – ein sogenannter Longseller ohne Beispiel.

Marek sah sich als Schriftsteller, nicht so sehr als Wissenschaftler. Vielleicht war das die Grundlage des Erfolgs.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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