Oldenburg - Flexibel, das ist der Begriff, mit dem sich die Arbeit von Kerstin Sandstede-Deeken in dieser Zeit wohl am treffendsten beschreiben lässt. Sie ist stellvertretende Leiterin im Vertrieb – unter ihre Organisation fällt also beispielsweise der Karten- und Abonnementumtausch, die Rückgaben, die Kundenanfragen und so vieles mehr.
Die Corona-Krise stellte den gewohnten Arbeitsalltag aller Vertriebler auf den Kopf. „Zu der Zeit, als Corona anfing, hatten wir einen kompletten Plan für die Einrichtung aller neuen Abonnements. Das sind Tausende Plätze“, erläutert Sandstede-Deeken. Alles plötzlich hinfällig.
Sogar noch mehr zu tun
Die temporäre Schließung des Theaters brachte zunächst etwas Unsicherheit. Nach einigen Tagen und dem „Einsortieren“ in den neuen Ablauf kam dann wieder eine ruhige Phase.
Und Kerstin Sandstede-Deeken stellt fest, „dass wir gar nicht weniger zu tun, sondern sogar mehr zu tun hatten. Alles, was wir sonst an Tagesgeschäft gebucht und verbucht hatten, mussten wir nun traurigerweise stornieren.“ Und sich dazu zügig ein Konzept einfallen lassen, denn schnell war absehbar, dass die Krise sich noch um einige Zeit hinzieht. „So viele Notizzettel wie jetzt hatte ich noch nie“, sagt Sandstede-Deeken und muss lachen. Zwischenlösungen, neue Möglichkeiten – alles wurde dokumentiert. Jede Woche gab es neue Erkenntnisse.
Kann das Team einen Teil der Strukturen doch noch durchziehen – oder nicht? Es gab viel Druck, viele Fragen seitens der Abonnenten, die aber zunächst lediglich vertröstet werden mussten. „Viele Abonnenten waren etwas unsicher, also überlegten wir uns vom Vertrieb die Möglichkeit: Das ganze Abo für ein Jahr aussetzen und alle kommen zu denselben Bedingungen wieder zurück“, erklärt Sandstede-Deeken.
Die Leitung des Theaters stimmte zu. Belohnt wurde das Haus mit der Treue der Kunden: Die Angst vor Abo-Kündigungen blieb unbegründet. Gutscheine wurden aus Kulanz auf Ende 2023 hochgesetzt. „Wir mussten ganz flexibel sein.“ Immer wieder kamen neue Infos an die Kasse – „und die ist das Sprachrohr, dorthin kommen alle Kunden mit Fragen und Unsicherheiten“, so die stellvertretende Leiterin. „Es gab immer wieder andere Möglichkeiten und wir mussten uns entscheiden, in welche Richtung es geht.“
Die Arbeit war zum einen spannend und kreativ – „mal was ganz anderes“ – aber auch sehr kommunikationsintensiv und mit vielen Gesprächen verbunden. Diese Infos mussten dann an die Kunden weitergegeben werden.
Obwohl die Bühne (ziemlich) verlassen war, spielte die Kreativität im Staatstheater zuletzt die Hauptrolle. Die nächste Saison steht nun vor der Tür, unter allen erforderlichen Maßnahmen.
Welche Preise gelten?
Aber einfach Kasse auf und Kartenverkauf? Das funktioniert leider nicht. „Wir mussten uns Gedanken machen, welche Preise wir für die Formate, die stattfinden, festgelegen; welche Ermäßigungen wir beibehalten, wie wir mit dem Saalplan umgehen – kann man das überhaupt online verkaufen?“
Letzteres ging beispielsweise nicht, da die Sperrung der Plätze zwischen den Zuschauern sich nicht so einfach übertragen ließ. Auf Basis der normalen Platz- und Preisvorgaben wurde dann ein möglichst flexibler Saalplan eingerichtet. „Der Austausch mit den angrenzenden Bereichen ist unglaublich wichtig“, sagt Sandstede-Deeken. Das gebe ausreichend Ruhe, Planung und Sicherheit.
Wichtig war für sie, dass alle beteiligten Seiten zufrieden mit den Lösungen sind – sowohl das Staatstheater als auch die Zuschauer.
Was nimmt sie selbst aus der Krise mit? „Dass vieles möglich ist, woran man vorher nicht gedacht hat – und dass ich viele Bereiche auch intern ganz anders zu schätzen weiß. Zusammenhalt macht vieles möglich“, sagt Sandstede-Deeken. „Und, dass man flexibel sein muss“, meint sie lachend.
In loser Reihenfolge berichtet die Kulturredaktion über verschiedene Mitarbeiter im Oldenburgischen Staatstheater. Ob Dramaturgieassistentin, Schauspieler oder Veranstaltungstechniker – sie erzählen ihre Corona-Geschichte.
