Oldenburg/Hude - Ein „Unsterblicher“ starb vor 2000 Jahren: Publius Ovidius Naso (43 v.Chr. –17 n.Chr.), dessen Verse heute noch Schullektüre sind, der mit seiner Dichtung einst Kaiser erzürnt und Bürger entzückt hatte.
Er wurde in Sulmo, 120 Kilometer östlich von Rom, geboren. Die Familie zählte zu den vornehmen der Kleinstadt, ihre beiden Söhne erhielten folglich eine dem Ritterstand angemessene Ausbildung in Rom. Aber Ovid fand keinen Gefallen an der Laufbahn eines Politikers, da die Musen alle seine Texte sogleich in Verse verwandelten.
Seine Dichtungen machten ihn zu einem der Größten der römischen Literatur und nach dem Tode von Vergil (70– 19 v.Chr.) genoss er unangefochten das höchste Ansehen, bis er 8 n. Chr. plötzlich ins skythische Tomi ans Schwarze Meer verbannt wurde, wo er bis 17 n. Chr. lebte.
Über die Gründe rätseln noch heute die Gelehrten. Ovid selbst nannte als einen möglichen Grund sein Lehrbuch über die Kunst zu lieben, „ars amatoria“. Das vermutete auch Petrarca 1350 Jahre später, und er fand die Strafe wegen der Schlüpfrigkeit des Werkes berechtigt. Doch war es bereits acht Jahre vor dem Bann erschienen. Vermutlich wusste Ovid zu viel von Julia, der Tochter des Augustus, die sich – vielfach verheiratet und geschieden – gegen die Pläne des Vaters zur Nachfolge gestellt hatte. Auch sie wurde verbannt.
Noch vor der Abreise nach Tomi hatte Ovid sein Hauptwerk, die „Metamorphosen“, vollendet, eine Art Weltgeschichte in Versen. Sie berichten von der Entstehung des Lebens, der Willkür der Götter, den drei Zeitaltern und vor allem von Liebe und Streit und ihrer Lösung durch Verwandlung der Unterlegenen in Fels, Baum, Tier.
Ovid hat viele der Geschichten, die seit Hesiod (700 v.Chr.) dem gebildeten Griechen geläufig waren und die wir dank Ovid als Sagen des klassischen Altertums kennen, den Römern in lateinischen Versen neu erzählt.
Er hatte eine ungeheure Wirkung. Schon bald entstanden in römischen und pompejanischen Villen Fresken zu einzelnen Handlungen. Viele Autoren griffen auf Ovids Verserzählungen zurück. Den Franzosen jedoch war, als der Papst in Avignon residierte, der Inhalt zu zügellos. Sie christianisierten um 1350 das Werk, aber auch in gemilderter Form lebten die Geschichten fort. Goethe bekannte in „Dichtung und Wahrheit“, dass ihn immerfort beschäftigt hätte, „diesen Erwerb zu verarbeiten“.
Auch in der Kunst fand Ovids Werk einen gewaltigen Nachhall. Zahllos die Bilder und Skulpturen; selbst Dalí und Picasso fanden Vergnügen an Szenen.
Seit dem 15. Jahrhundert wurden die Bücher mit Illustrationen versehen. Eine der umfangreichsten Sammlungen von Illustrationen zu den „Metamorphosen“ befindet sich im Besitz von Ulrich Wilke, einem Arzt in Hude, der anlässlich von Ovids 2000. Todestag die Holzschnitt-Illustrationen von Bernd Salomon (Lyon 1559) zu den „Metamorphosen“ herausgegeben hat und immer neue Editionen aufspürt.
