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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Oldenburg & Der Nordwesten In Der Literatur: Durch Kreyenbrück im Linienbus

16.04.2020

Oldenburg /Im Nordwesten Was haben die Post in Wiefelstede, die Untersuchungshaftanstalt in der Gerichtsstraße in Oldenburg, die Friesland-Kaserne in Varel, das Kinocenter in Wilhelmshaven, ein Hof in Dötlingen, ein Ausflugscafé in Vechta, eine Buslinie in Oldenburg, der Braker Hafen und die Schleusentore in Varel gemeinsam? Es sind konkrete Orte, die Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ihren Werken erwähnen.

Und je länger man in Büchern heimischer Autoren liest: Der Nordwesten ist gar nicht so unbeschrieben in der Literaturlandkarte, wie man vielleicht denken könnte. Was bedeutet der konkrete Ort in Werken der Autoren? Der in Oldenburg lebende Schriftsteller Jochen Schimmang sieht konkrete Orte in der Literatur als von herausragender Bedeutung an, sie deuteten auf „die wirkliche Welt“ hin, sagt der Schriftsteller, der selbst mit seinem Debütroman „Der schöne Vogel Phönix“ dem Norden seine Sympathie erklärt. Eine literarische Suche nach der wirklichen Welt in Romanen und Erzählungen.

„Weg war weg“ (Roman, Rowohlt 1988): Klaus Modick hat zahlreiche Romane mit Oldenburger („Der Flügel“ etwa) oder Ammerländer Bezügen („Moos“) geschrieben. „Weg war weg“ ist wegen der selbstironischen Erzählweise und Leichtigkeit mein stiller Favorit: Weg ist in dem Buch des Oldenburger Schriftstellers ein Romanmanuskript, dem Erzähler durch Diebstahl des Kleinwagens beim Windelkauf in einem Einkaufszentrum in Oldenburg genommen.

Je länger man die komische Verfolgungsfahrt durch das Oldenburger Land liest, desto mehr setzt sich die Ahnung fest, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, dass „Nachtexpress nach Babylon“, so der Titel, gestohlen wurde. Es findet sich immerhin ein Teil des gesuchten Manuskripts wieder, über Wapeldorf führt die Spur zu einem Ofensetzer, der in einem Haus an der Peripherie Varels einen Kachelofen aufbaut. Modick beschreibt es mit einem Zitat Oswald Spenglers: „Mitten im Lande liegen Gehäuse einer erloschenen Seele, in die geschichtslose Gesellschaft sich einnistet.“ Großartig.

„Luzies Erbe“ (Insel Verlag 2019): Eine traurige Geschichte, die Liebe zwischen Luzie und dem Zwangsarbeiter Jurek ist Thema des wunderbaren Romans, der unverkennbar in Helga Bürsters Heimat und Wohnort Dötlingen spielt. Der Tod der Matriarchin Luzie im hohen Alter, so die Romanhandlung, ermöglicht eine Rückschau auf die Familiengeschichte. Der Großvater war in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und nach einer Zeit in einem der Emsland-Lager auf einen Hof bei Dötlingen gekommen, wo Helga Bürsters Großmutter ihn kennenlernte. Zwei Töchter wurden geboren, doch durch ein Wunder hatte es für beide keine Konsequenzen. Der Schrecken der Nazi-Zeit vor dem Hintergrund des „Gaumusterdorfs“ Dötlingen.

Jochen Schimmang

„Der schöne Vogel Phönix“ (Suhrkamp 1979, aktuell bei Edition Nautilus erhältlich): In einer Garnisonsstadt am Jadebusen beginnt der Debütroman Schimmangs, freilich wird der Ortsname Varel nie erwähnt, obwohl Schimmang (im Roman Murnau) in Varel seinen Grundwehrdienst 1967/1968 ableistete (und nicht in Wilhelmshaven, wie verschiedentlich kolportiert wird. In Wilhelmshaven besuchen Murnau und zwei Freunde eine Kinovorführung von Arthur Penns „Bonnie und Clyde“.) Wohl aber wird Ros­trup erwähnt, wo Murnau/Schimmang sich im Bundeswehrkrankenhaus einer schmerzreichen und verpfuschten Mandeloperation unterziehen muss. Nach dem Genesungsurlaub tritt der Erzähler wieder seinen Dienst in der Schreibstube an.

An einem Abend im September versackt er im Oldenburger Stautorcafé, verpasst den Zug zurück nach Varel und wird mit einer Ausgangssperre belegt. Die „Erinnerungen eines Dreißigjährigen“, so der Untertitel, schildern die Befindlichkeit der Aufbegehrenden der 68er Jahre und die Zeit nach RAF-Hysterie und linken K-Gruppen.

Achim Engstler

„Was geht da vor, Sophie?“ (Isensee Verlag 2018): Der Vareler Schriftsteller hat in einem Briefroman das Leben des (real existierenden) Grafen Anton II. von Aldenburg skizziert, Herr eines armen Zwergstaats, das außer dem Amt Varel die Herrlichkeit Kniphausen (heute ein Teil von Wilhelmshaven) umfasste. In Briefen blickt der Graf auf sein Leben zurück und sorgt sich um seine Tochter Charlotte Sophie (spätere Gräfin Bentinck, eine Intellektuelle, der die Historiker Verschwendungssucht nachsagen). Eingewoben hat Engstler, übrigens mit dem Oldenburger Autorenkollegen Schimmang befreundet, das Thema Hexenverfolgung.

„Wenn ich morgens Bus fahre“ (unveröffentlichtes Manuskript): Die Slammerin und Autorin hat Oldenburg in einer Alltagsbegegnung ein kleines literarisches Denkmal gesetzt: „Im Bus dann müde Stille. Wenns geht ganz hinten rechts sitzen wie Eminem in 8 Mile, bei uns gibts immerhin Kreyenbrooklyn, ich weiß, hier ist nicht New York und erst recht nicht Detroit, aber wenn wir ehrlich sind, dann ist das hier eben auch manchmal Pauldingburg.“ (Erhältlich von Annika Blanke: „Neulich war gestern noch heute“, Lektora Verlag 2017). Annika Blanke stammt wie ihr Kollege Schimmang aus Leer.

Stadtblogger

Einen ganz anderen Ansatz, wie die Region Autoren inspiriert, kann man im „BLogbuch“ verfolgen. Das Literaturhaus Oldenburg hat 2011 ein „BLogbuch“ entwickelt, Schriftsteller werden Stadtschreiber (freilich ohne Residenzpflicht). Unter ihnen waren Gregor Sander, Katharina Hartwell, Finn-Ole Heinrich, Sabrina Janesch und Tilmann Rammstedt.


     www.blogbuch-oldenburg.de 
Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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