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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Den Krieg mit anderen Mitteln fortsetzen

11.09.2019

Oldenburg Boxerfilme? Kennt man zur Genüge seit „Rocky“ und „Wie ein wilder Stier“. Falsch, dies Kritiker-Urteil gilt ab sofort als überholt. Denn was „In Full Bloom“ – eine der spektakulärsten Weltpremieren des diesjährigen Filmfestes Oldenburg – aus dem Kampf zweier erbarmungslos aufeinander eindreschenden Männer macht, ist höchst ungewöhnlich fürs Kino.

Brillant

Das Regiedebüt von Adam VillaSenor und Reza Ghassemi ist weit mehr als ein Sportfilm, es sprengt die Grenzen des Genres und erreicht eine fast unwirkliche philosophische Höhe. Denn in „In Full Bloom“ treffen nicht nur zwei Männer aufeinander, sondern auch zwei Systeme, zwei Kulturen, zwei Lebenseinstellungen.

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs messen der ungeschlagene japanische Halbschwergewichtler Masahiro und sein amerikanischer Herausforderer Clint Sullivan (herausragend gespielt von Yusuke Ogasawara und Tyler Wood) ihre Kräfte. Der Kampf gilt als eine Art Fortsetzung des Krieges um Ehre und Ruhm, ist aber auch das Spielfeld mächtiger Yakuza-Gangster. Dieser Kampf – und das macht den Film so ungewöhnlich – ist allerdings nur eine (immerhin 20-minütige und brillant fotografierte) Randnotiz. Wichtiger ist den Regisseuren die Einstellung der Boxer: Hier der körperlich schmale, ganz den japanischen Traditionen treue Masahiro, dessen Training eher Zen-Zeremonien und Shaolin-Exerzitien ähnelt. Dort der muskelbepackte Straßenköter Sullivan, dessen Vorbereitung auf den Kampf aus Erinnerungen an traumatische Kriegserlebnisse besteht. Beide sind nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch bereit, alles für den Sieg zu geben. So kommt es zur Kirschblütenzeit zum Showdown, ebenfalls kaum vergleichbar mit herkömmlichen Boxfilmen.

Abbruch im Kampf

Fast poetisch schlagen Masahiro und Sullivan zu, jeder liegt einmal am Boden … und dann, mitten in der fünften Runde, bricht der Film ab. Nicht der Ausgang des Duells interessiert die Regisseure, sondern die Auseinandersetzung jedes einzelnen mit seinen Ängsten und Wünschen. „Ich denke, jeder Mensch ist verloren in seiner eigenen Seelen-Wüstenei“, sinniert Masahiro. Nicht nur Sullivan mag ihm da nicht widersprechen.

Klaus Fricke
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