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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Internationale Tanztage Im Staatstheater: Sterbende Schwäne und Sprachen in Oldenburg

13.05.2019

Oldenburg Sie steht auf einem Bein, anmutig wie ein Flamingo, den Fuß auf Spitze, das andere Bein in die Höhe gestreckt, als sei der Körper in der extremen Vertikalen die natürlichste Haltung der Welt. In ein paar Minuten, sagte Oldenburgs Generalintendant Christian Firmbach am Freitagabend und deutete auf die riesige Projektion im Bühnenhintergrund, werde die amerikanische Tänzerin auf dem Titelbild des Programmheftes leibhaftig im Großen Haus tanzen.

Die Tänzerin, die Firmbach zufolge auch noch Verbindungen zum Oldenburger Land haben soll, ist Ensemblemitglied des Alonzo King Lines Ballet aus San Francisco. Es ist eine der renommiertesten Compagnien der USA, die zum Auftakt der 14. Internationalen Tanztage auslöste, was auch in allen vorigen 13 Ausgaben die Regel war: Begeisterungsstürme, Bravos, stehende Ovationen.

Der Choreograf Alonzo King spielt gern mit anderen Kunstgattungen. So ist die Mezzosopranistin Maya Lahyani in der (verkürzten) Version von „Art Songs“ die musikalische Partnerin des Ensembles, wenn auch nur vom Band. Während sie Arien von Bach und Purcell singt, finden die Tänzerinnen und Tänzer in langsamen, aber eckigen, kühnen Bewegungen zu immer neuen Duetten zusammen.

Nach dem genussvollen Auftakt wird es wild. „Figures of Speech“, eine Zusammenarbeit mit dem US-Poeten Bob Holman, ist ein getanztes Klagelied für aussterbende Sprachen. Etwa ein Dutzend von ihnen erklingen auf der Bühne. Ein unverständlicher Singsang, der sich mit stampfenden Rhythmen von afrikanischen Trommeln, australischem Didgeridoo und Alltagsgeräuschen abwechselt.

Fortsetzung an diesem Montag

Die 14. Internationalen Tanztage werden an diesem Montag fortgesetzt: mit der Ballett Compagnie Oldenburg (Großes Haus, 19.30 Uhr) und dem Toihaus Theater Salzburg (Exerzierhalle, 19.30 und 22 Uhr). Für viele Vorstellungen gibt es noch Restkarten. Das Festival dauert bis zum 19. Mai.

Mehr Infos unter www.nwzonline.de/tanztage

Dazu eine wirbelnde Truppe, die die fremdartigen Laute in Körpersprache übersetzt. Und dann wieder stille Momente, in denen ein Tänzer oder eine Tänzerin „erlischt“ – Sinnbild für die fast 7000 vom Verschwinden bedrohten Sprachen dieser Welt. Das hoffnungsvolle Schlussbild ist eine Linie aus ineinander verhakten Körpern. Nur die Totenglocke am Ende verheißt nichts Gutes.

So politisch das Ensemble aus San Francisco endete, so lustvoll machten seine Kollegen aus Chicago im Kleinen Haus weiter: Die sechs jungen, energiegeladenen Tänzerinnen und Tänzer von Danceworks Chicago kamen gleich mit sieben Choreografien, die kürzeste nur drei Minuten lang.

Schlag auf Schlag wechseln Musik, Zusammensetzung und Stimmung – von sinnlich über dramatisch und nachdenklich bis frech. Ein Tanz-Konfetti in rund 90 Minuten, mit dem das Ensemble zum Ende hin seine Show-Qualitäten beweist: Mit einem getanzten Ehekrach voller Witz und einer ganz eigenen, urkomischen Version von Schwanensee: Mit den sechs Tänzern in weißen, fluffigen Jogginganzügen wird Tschaikowskis Musik olympisch.

Es ist ein ungleiches Paar: der malaiische, gedrungene Tänzer und Choreograf Mavin Khoo und sein schlanker, zwei Köpfe größerer Tänzer Victor Callens. Er ist kräftig genug, um Khoo über die Schulter zu werfen. Und genau das tut er auch am Samstagabend in der abgedunkelten, nur von einzelnen Spots erleuchteten Exerzierhalle, wo beide den ersten Teil der Choreografie „Man to Monk“ aufführten. „Basierend auf der Hindu- und Sufi-Vorstellung von Lust und Begierde“ heißt es auf dem Programmzettel. Zu sehen ist ein 45-minütiges, aufregendes und rasantes Duett in Kontrasten: Anziehung und Abstoßung, Glück und Verzweiflung, Innigkeit und Aggression, Verschmelzung und Sprachlosigkeit.

Das Ganze klingt abstrakt, ist aber durchaus narrativ, spannend und letztlich ein Krimi. Auch hier tosender Applaus.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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