OLDENBURG - Da war er 65: Seit März ist Wolfgang „Charly“ Ahlers im Ruhestand – beruflich. Sorgen über mangelnde Beschäftigung braucht er sich aber nicht zu machen. Denn die Musik spielt weiterhin die erste Geige im Leben des Bassisten der Oldenburger „Flower Street Jazzband“ – und die feiert in diesem Jahr ihr 50 jähriges Bestehen. Da gibt es einiges zu feiern . . .
Nach dem Besuch von Haarentor-Schule und Mittelschule Margaretenstraße lernte Ahlers bei Auto Martens und Opel Hinrichs – zwei Oldenburger Autohäuser, die es heute nicht mehr gibt. 1964 wechselte der junge Mann zum Autohaus Munderloh, dem er bis zum Ende seiner Laufbahn treu blieb. Angefangen hatte er als Lagerist, am Ende schied er als Betriebsleiter aus.
„Das war eine sehr schöne Zeit und ich möchte Oldenburg nicht missen“, resümiert „Charly“ Ahlers. Er habe viele Städte im In- und Ausland kennengelernt, „aber höchstens Hamburg wäre eine Alternative gewesen“. Doch in Oldenburg sei er verwurzelt „und hier leben meine Freunde“, blickt er zurück.
Auch dafür hat die Musik gesorgt – und nicht nur dafür. Auch seine Frau Gisela, eine Musiklehrerin, hat er über die Musik kennengelernt. „Das war ganz wichtig“, erinnert sich der Bassmann, „denn sie hat die Musik und alles, was damit zusammenhängt, immer mitgetragen.“
„Oft genug blieb sie wegen der Musik mit unseren beiden Kindern Carolin und Tim allein daheim“, erzählt er. Ahlers selbst kam durch seinen Vater August, der Bühnenbildner am Oldenburgischen Staatstheater war, zur Musik. „Unsere ganze Familie machte Musik“, blickt er zurück.
Als „Charly“ Ahlers dann im britischen Radio BBC die Liebe zur Jazzmusik und zum Bass entdeckte, erhielt er vom Vater die notwendige Unterstützung. Dem sperrigen und nicht alltäglichen Instrument blieb er bis heute treu. Der Bass, den er heute spielt, ist sein dritter – und er erwarb ihn 1967 in der noch heute bestehenden Musikalienhandlung Hammig für 1000 Mark. „Heute ist der Bass etwa 150 Jahre alt“, erzählt er. Nachdem er 1966 aus den Diensten der Bundeswehr – wo er in einer Combo spielte – ausschied, schloss er sich im gleichen Jahr der „Flower Street Jazzband“ an und blieb ihr treu. Seit 1970 ist er Sprecher und Bandleader.
Doch nicht nur die „Flower Street Jazzband“ beschäftigt ihn in musikalischer Hinsicht. Seit etwa einem halben Jahr bildet er gemeinsam mit Uwe Dieckmann und Hajo Kahlen, mit denen er früher schon zusammenspielte, die Band „Die kleine Jazzmusik“. „Wir spielen da die bekannten Jazz-Titel aus den 60er Jahren“, erläutert er.
Seit jeher beschäftigt sich Wolfgang Ahlers neben der Jazzmusik mit der klassischen Musik. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er sich stark im Oldenburger „Verein der Musikfreunde“ engagiert. Darin ist er jetzt stellvertretender Vorsitzender und kümmert sich u.a. mit um die Veranstaltungsreihe „Große Pianisten im kleinen Haus“ sowie um das Neujahrs-Konzert. „Zudem bin ich regelrecht verrückt nach Theater – ich nehme jede Premiere am Oldenburgischen Staatstheater mit meiner Frau mit. Mein großer Traum ist es, einmal im Leben an jedem deutschen Theater gewesen zu sein. In an die 60 Prozent aller deutschen Theater habe ich schon Vorstellungen gesehen“.
Doch das ist noch immer nicht alles: Regelmäßig spielt er in seiner Freizeit bei Tura 76 Volleyball und interessiert sich im großen Maße für Stadtgeschichte wie für die Literatur allgemein.
