OLDENBURG - Großer Bahnhof im Seniorenzentrum am Küstenkanal: Mit vielen, zum Teil weit gereisten Gästen feierte Helga Scheffel am Sonntag ihren 100. Geburtstag. Ihr Sohn Hannes, Arzt in Massachusetts (USA), war wohl der am weitesten gereiste Familienangehörige.
Auch Helga Scheffel hat in ihrem Leben, nicht immer freiwillig, mehrfach den Wohnort gewechselt. Die Jubilarin wurde 1909 in Wilhelmshaven geboren, zog aber nach dem Tod des Vaters mit der Mutter nach Hamburg und verbrachte den ersten Teil ihres Erwachsenenlebens in Liegnitz/Schlesien. Dort lernte sie ihren Mann, einen Arzt, kennen, der in der Nähe eine Praxis eröffnete. Fünf ihrer sechs Kinder kamen dort zur Welt, dann wurde ihr Mann eingezogen – am ersten Tag des Zweiten Weltkriegs.
Irgendwann hörte sie dann im Radio eine Rede, in der Hitler sagte, ein Vater von fünf Kindern müsse nicht kämpfen, er gehöre zu seiner Familie. Helga Scheffel nahm das wörtlich und schrieb dem „Führer“ einen Brief. Die Anwort kam auf Bütten vom Reichswehrleiter – der vorübergehende Heimatbefehl für ihren Mann.
Kurz vor Ende des Krieges flüchtete Helga Scheffel mit ihren Kinder in den Westen, kam zunächst in einem Lager unter, das im Oldenburger Fürstensaal aufgeschlagen worden war, dann für sechs Jahre im Sommerhaus der Schwester auf Norderney. 1950 kam ihr Mann aus russischer Kriegsgefangeschaft nach Hause. In einer Zwei-Zimmer-Wohnung an der Bremer Heerstraße in Oldenburg eröffneten sie ihre Artzpraxis, die ihr Mann bis zu seinem Tod 1980 führte und in der er über Multiple Sklerose forschte.
Rüstig und geistig rege – sie liest täglich die NWZ – nahm Helga Scheffel die Glückwünsche der Ersten Stadträtin Silke Meyn entgegen, die auch eine Urkunde des Ministerpräsidenten Christian Wulff mitgebracht hatte. Helga Scheffels Reaktion: „Das ist ja allerhand.“
Betreut wird Helga Scheffel vor allem von ihrer Schwiegertochter Ingelberga Scheffel.
