OLDENBURG - OLDENBURG/KRO - Es gab neue Räume, neue Mitarbeiter, neue Ideen. Nur eine Sache hat sich in den vergangenen 20 Jahren nie verändert – die chronisch leere Kasse. „Wir schrammen jedes Jahr haarscharf an der Insolvenz vorbei“, gibt Kulturetagen-Geschäftsführer Bernt Wach zu.

Zwar ist mit der Größe der Kulturetage auch der Etat gewachsen, nicht aber der öffentliche Zuschuss. „Früher“, sagt Wach, „bekamen wir 70 Prozent öffentliche Mittel und mussten 30 Prozent selbst erwirtschaften. Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt.“ Soll heißen: Knapp 700 000 der etwa eine Million Euro Jahresbudget muss die Kulturetage selbst verdienen.

Die Kulturetage muss also nicht nur Kultur anbieten – sie muss auch Kultur verkaufen. Das schlägt sich im Programm nieder: Zunehmend bieten Wach und sein Team kommerzielle Veranstaltungen an. Vor einigen Jahren rief die Kulturetage deshalb die „Funkenflug“- und „Moonlight“-Partys ins Leben, laut Wach „ein voller Erfolg“. Als allerdings zuletzt die Besucherzahlen zurückgingen, stoppte die Kulturetage die Partys und machte sich auf die Suche nach neuen Einnahmequellen.

Die Kulturetage versuchte sich als Vermieter, mit begrenztem Erfolg: Fremdanbieter buchten für Konzerte lieber die günstigeren (städtischen) Schul-Aulen.

Zurzeit setzt die Kulturetage, die anfangs vor allem Theater und Kleinkunst anbot, deshalb auf selbst organisierte Konzerte: Projektleiter Andy Holtz soll gewinnbringend Musiker nach Oldenburg holen. Erstmalig geht die Kulturetage dafür sogar außer Haus: Am 19. Oktober veranstaltet sie ein Konzert mit Annett Louisan in der Weser-Ems-Halle. „Ganz klar“, sagt Wach, „es geht uns dabei nur ums Geld.“

Das Louisan-Gastspiel ärgert natürlich die privaten Konzertagenturen, denen es sauer aufstößt, dass ihnen eine öffentlich geförderte Einrichtung Konkurrenz macht. „Das müssen wir aushalten“, findet Wach: „Als wir damals mit den Partys anfingen, schimpften auch die örtlichen Gastronomen.“