OLDENBURG - Warum ihr Schlagzeug-Ensemble den Namen „Piccolo Percussion“ führt, ist eine Frage, die Matthias Kelemen ungern beantwortet. „Da frag mal unseren Lehrer“, schnaubt der 16-Jährige und fügt an: „So piccolo klein sind wir nicht mehr.“ Die fünf Oldenburger sind musikalisch sogar ziemlich groß, wie sie am Sonnabend zum Abschluss des Preisträgerkonzertes beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ im Kleinen Haus eindringlich nachweisen. Also werden sie ihrem Lehrer Axel Fries wegen des schon vor fünf Jahren verpassten Namens nicht anhaltend zürnen.
Überhaupt ist der Wettbewerb erwachsen geworden. Das betrifft sowohl seine Dimension als auch seine Qualität. Die Fertigkeiten von 130 Jungen und Mädchen wurden von der Jury streng bewertet (die NWZ berichtete). Die Preisträger fahren mit ernsthaften Chancen zum Landeswettbewerb Ende Februar nach Hannover. Heinz Gassenmeier, der Leiter für den Bereich Oldenburg Nord, lobt dafür auch die Eltern: „Da stecken oft logistische Leistungen dahinter, Schule, Familie und Musikunterricht zu koordinieren.“
Zwischen drei und sechs Stunden übt Alexander Vorontsov (12) täglich. Aber Mutter Nelli, selbst eine Klavierlehrerin, achtet auch auf ausreichend Freizeit. Sie hat sich im internen „Duell“ der Vareler Familie durchgesetzt: Vater Alexander war ein Handball-Torwart von europäischem Rang, trainiert heute die Torhüterinnen des Bundesligisten VfL Oldenburg.
So steht Alexander junior zwar auch im Schülerteam im Tor. Aber er eifert anderen Vorbildern nach: „Jewgeni Kissin und Lang Lang.“ Also lautet sein Ziel nach bisher sieben Jahren Üben: „Ich würde gern weltbekannt.“ Irrwitzig gut in der Technik sind alle Pianisten solchen Ranges, über die Berühmtheit entscheidet dann die Gestaltungskraft. Und so trägt Vorontsov auch keinen Reißer vor, sondern eine von Skrjabins eher gemäßigten Etüden.
Andere lassen die Musik und ihre beruflichen Möglichkeiten auf sich zukommen. „Ich habe mal ein Orchester gehört, und da fand ich Geiger einfach toll“, erzählt die acht Jahre alte Katharina Borchers aus Delmenhorst über ihr Aha-Erlebnis. Bei Lena Henriette Bröning aus Ganderkesee war der Weg noch kürzer: Die Mutter ist Musiklehrerin. Und trotz hörbaren Talentes reizt die Neunjährige vorerst keine Solistenkarriere: „In einer Gruppe macht es einfach mehr Spaß.“
„Geigenspiel als Beruf“ können sich Julian Marji aus Oldenburg und Julian Kirch aus Hude „eher nicht vorstellen“. Es gebe eben andere Interessen. „Für ein regelmäßigen Hobby reicht unsere Musik“, sagt Marji. Das nehmen sie ernst, was ja den meisten Spaß bringt: In ihrem Quartett spielt jeder schon seit sieben Jahren Violine.
So viele Jahre schafft Ylva-Merline Grau schon vom Alter her nicht. Die jüngste Teilnehmerin ist fünf, und sie ahnt erst ein bisschen von der Anerkennung, die hinter ihrem zweiten Preis steckt. Zwanglos kommt sie zu Hause zur Musik. „Ylvas Oma Erika Berg hat Geige gespielt“, verrät Mutter Patricia Berg-Grau, deren Instrument das Klavier ist. Eine weitere Note bringt Vater Ludwig Grau auf der Querflöte ein.
Bei „Piccolo Percussion“ sind die Pläne konkreter. Außer Matthias würden auch Leo Hajek und Lukas Paetzold „gern Orchestermusiker werden“, wobei sie wissen: „Anforderungen, Vielseitigkeit und Konkurrenzkampf sind enorm“. Das mag die Planungs-Zurückhaltung von Benjamin Hein und René Kretschmer erklären. Matthias Kelemen sieht seinen gewünschten Beruf sogar aus einem ganz ungewöhnlichen Blickwinkel: „Als Schlagzeuger thronst du hinten über dem Orchester. Ha, das ist ein Blick!“
„Für ein
regelmäßiges Hobby reicht
unsere Musik“
Julian Marji
