OLDENBURG - Willy Astor (49), dem verspielten Münchner Wortakrobaten, fehlen die Worte. „Wie kommt man denn nur auf so eine Idee?“, ruft eine begeisterte Zuschauerin bei seinem Auftritt in der Oldenburger Kulturetage bei den „16. Oldenburger Kabarett Tagen“, nachdem er seine bayerische Polka „Maschin schon putzt“ gespielt hatte: eine kleine Ode an die Wurstfachverkäuferin, die kurz vor Ladenschluss keine Wurst mehr verkauft, da eben die Maschine schon gesäubert wurde.
Astor stutzt, hält inne, schaut ins Publikum, überlegt, dann bricht es aus ihm heraus: „Damit habe ich jetzt nicht gerechnet! Brauchen Sie eine Rechtfertigung?“ Ohne die Antwort abzuwarten, erklärt er in der ausverkauften Kulturetage, dass er feine Antennen habe, wenn er mit Leuten redet. Und aus solchen Gesprächen ziehe er dann eben die Ideen für seine Lieder.
Man merkt: Der Willy Astor ist schon ein netter Typ. Das hat er in seinem zahmen Stand-up zu Beginn seines Programms „Tonjuwelen – Das Beste aus 25 Jahren Bühne“ schon gezeigt, als er seine „Antennen ausfuhr“ und einige Besucher in ebenso sinn- wie auch harmlose Gespräche verwickelte.
Nach 20 Minuten Vorgeplänkel, die nicht als Inspiration für weitere Lieder dienen dürften, legt er endlich los. Hierauf gibt er den Astor, auf den alle warten: die Plaudertasche, den Wortspielakrobaten und den begnadeten Gitarristen. Über zwei Stunden hinweg reihen sich Wortspiel an Wortspiel, Verballhornung an Verballhornung in einem beinahe schon schwindelerregenden Tempo. Eine Geschichte aus 141 Filmtiteln, erzählt in nur viereinhalb Minuten: „Es geschah am helllichten Tag, Jenseits von Afrika . . . “. Oder auch: „Der Papst spielt in einer Band – der Sixtinischen Kapelle – und hat ein Navigationsgerät, das nur auf die Heilige Stadt eingestellt ist, da es sich um eine CD-Rom handelt.“
Nach einem Song über Oldenburg – „auf eurer Homepage steht ,Oldenburg. Gestern. Heute. Übermorgen. – ihr habt das morgen vergessen. Wie blöd ist das denn?“ – greift er zur Gitarre, spielt als Schlusspunkt seines Projektes „The Sound Of Islands“. Ganz ohne Worte!
