OLDENBURG - Er sei kein Komponist, sondern ein genialer Erfinder sagte Arnold Schönberg über seinen wissbegierigen und zugleich äußerst sturen Schüler John Cage. Die Meinung hierüber ist bis heute geteilt, aber der Ursprung des Problems wurde im 5. Kammerkonzert des Staatstheaters am Sonntag entlarvend deutlich. Das Programm mit Cage-Stücken der 1940er Jahre war, so schien es, eine Herzensangelegenheit für den Pianisten Jason Weaver, denn er führte charmant, unterhaltsam und trotzdem informativ durch das Konzert.

Er arbeitete die ironisch-humorvolle Seite von Cages Regel- und Tabubrüchen heraus – und hatte hierbei das schmunzelnde Publikum auf seiner Seite.

Ein mit Schrauben und Gummis präparierter Flügel entwickelte sich in zwei kleinen Sonaten zu einem asiatisch anmutenden Schlagzeugorchester in der Form angelehnt an die mitunter absurden Klaviersonaten D. Scarlattis. Die exotischen Klänge wirkten in der leichtfüßig und präzise umgesetzten Interpretation der Schlagzeuger Philipp Arndt, Andreas Heuwagen und Moritz Weller ungezwungen.

Der Höhepunkt der Matinee in punkto Unterhaltung war die „Musik für ein Wohnzimmer“ (1940). Wie eine Persiflage auf Goethes Ausspruch, ein Quartett sei wie eine Unterhaltung zwischen vernünftigen Menschen, organisierte diese Musik unbeabsichtigte Klänge alltäglicher kommunikationsloser Situationen.

Im biederen Kämmerlein auf der Bühne bildeten organisiertes Tassengeklapper, Schmatzen, Lachen, sogar Tastentöne von Handys und Computern groovende Beats.

Im Anschluss an das Konzert wurde noch eine Filmdokumentation eines Auftritts von Cage und Tudor 1963 in Berlin vorgeführt. Wie in einem Gesamtkunstwerk banden die Künstler auch noch die Gesprächssituation in ihr künstlerisches Konzept ein: Bedeutungsvolle Kommunikation wurde durch viele Mittel verhindert, doch anstatt die eigenen Voraussetzungen hierfür zu überdenken, ging man lieber – wie etwa Hindemith damals, wie im damaligen Konzert der beiden in Oldenburg und wie mancher Besucher im Kleinen Haus am Sonntag. Dabei hätte man lieber lachen sollen: Nicht über Cage, sondern über das Spiegelbild der eigenen Erwartungen an die Musik und an das Leben.