OLDENBURG - Manchmal gelingt eine nahezu vollkommene Punktlandung, mag zuvor auch die Suche nach dem Landeplatz etwas umständlich gewesen sein. So landeten neun Musiker im 4. Kammerkonzert im Kleinen Haus bei Louis Spohr: geboren am 5. April 1784, auf den Tag genau vor 225 Jahren. Passt! Selbst einmal in Oldenburg in einem Konzert aufgetreten. Passt noch besser!
Oldenburgs erster Hofkapellmeister August Pott war als Geigenvirtuose ein Schüler Spohrs gewesen. So lockte er den großen Komponisten 1845 zu einem Benefizkonzert nach Oldenburg. In der Organisation steckte der Wurm. Mitwirkende erkrankten und mussten absagen. Spohr selbst fühlte sich nach dem Auftritt unpässlich und musste den folgenden Feiern fernbleiben. Dennoch: Das Konzert zugunsten eines Pensionsfonds für die Hofkapelle war ein voller Erfolg.
Da schnurrt diesmal Spohrs Nonett F-Dur op. 31 vergleichsweise komplikationslos ab. Burkhard Wild (Flöte), Daisuke Nagaoka (Oboe), Bernhard Kösling (Klarinette), Hideki Kunai (Fagott), Joaquim Palet (Horn), Roland Juderjahn (Violine), Jessica Syfuss (Viola), Volkmar Stickan (Cello) und Jochen Zillessen (Kontrabass) nutzen die Qualitäten der Komposition. Sie stellt die Einzelinstrumente charakteristisch heraus, führt sie aber immer wieder zu dichtem Ensemblespiel zusammen. Das besondere Merkmal der Wiedergabe ist die gelungene Verbindung von klassischer Divertimento-Lockerheit mit gewichtigem frühromantischem Geist.
Die etwas starke Präsenz der Bläser gegenüber den Streichern trübt in Spohrs Nonett leicht den Hörgenuss, ebenso in Josef Rheinbergers gleich besetzten Es-Dur-Werk. Trotzdem gibt sich Rheinbergers op. 139 vom Ende des 19. Jahrhunderts als kleines Schmuckstück zu erkennen. Die großen Vorbilder wie Beethovens Septett oder Schuberts Oktett verleugnet der Komponist nicht. Aber er ist kein plumper Epigone. Die logisch verzahnte Melodieführung oder die überaus kompakte Satztechnik sprechen eine eigene Sprache.
Diesen Ton treffen die Oldenburger und Bremer Musiker nach leichtem Zaudern im Eingangs-Allegro glanzvoll. Der Bau bleibt licht, der Klang klumpt nicht, und das Material wird auch nicht mit übergroßer Bedeutung aufgeladen. Das ist keine Musik, die Geschichte schreibt. Aber sie beglückt für den Tag.
