OLDENBURG - Die „Frühlingsstimmen“: Passend zur Jahreszeit gab es unter diesem Motto ein sehr ansprechendes Kammerkonzert mit dem Hamburger Mizar Quartett. Seit 26 Jahren gibt es die Reihe „Musik in St. Stephanus“, beim 90. Konzert trat erstmals ein Streichquartett auf und die Cellistin Corinna Leonbacher stammt zudem noch aus Bloherfelde. Die einladend wirkende Kirche gab der beglückenden Wiedergabe der drei populären Streichquartette den richtigen Rahmen: mit Würde, aber unverkrampft.

Friederike Hess-Gagnon (1. Geige), Anne Frick (2. Geige), Julia Rarisch (Bratsche) und Corinna Leonbacher am Cello spielten ihr Standardrepertoire, neben dem „Lerchenquartett“ von Joseph Haydn und dem „Amerikanischen Quartett“ von Antonin Dvorak ein frühes Quartett von Mozart. Die Interpretation der drei bezaubernden Werke wirkte nicht nur routiniert und lang erarbeitet, sondern auch noch frisch, vital und inspiriert. Wie bei jüngeren, viele Jahre an deutschen Musikhochschulen ausgebildeten Interpreten erwartbar, gelang rein technisch an den Streichinstrumenten alles. Auch der zumeist heiter-gelöste Ausdruck, der bei Dvorak mit Sehnsucht und Wehmut gepaart ist, stellte sich authentisch ein. Am meisten aber beeindruckte das teilweise traumwandlerisch anmutende Zusammenspiel.

Mozarts Streichquartett G-Dur KV 156 aus dem Jahr 1772 ist eher ein dreisätziges Divertimento, das viel Gelegenheit gibt, melodische Themen effektvoll vorzutragen. Einem getragenen und beseelten Mittelsatz folgt ein abschließender menuettähnlicher und beschwingter Tanzsatz.

Formal strenger und kompositorisch dichter ist das 1790 von Haydn komponierte „Lerchenquartett“. Die vier jungen Frauen, ganz in Schwarz, führten hier keine Unterhaltung über Belangloses. Das, was erklang, erinnerte an ein Gespräch von vier klugen Menschen über allgemein berührende Themen, was aber effektvolle Passagen wie den dramatischen Schluss nicht ausschloss.

Nach der Pause erklang mit dem „Amerikanischen Quartett“ inspirierte und zugleich inspirierende Musik, die wehmütigen, sangbaren Melodien gaben Raum für einen Ausdruckswillen, der sich am stärksten im Lento beim Wechselspiel von 1. Violine und dem warm timbrierten Cello manifestierte.

Mehr kann Musik nicht leisten: dem Auditorium einige Momente lang ein Glück des erfüllten Augenblicks zu schenken.