OLDENBURG - Ach, Freitag der 13.! Bei Christopher Wasmuth, dem Leiter der Kammersinfonie Oldenburg, musste das unheilbeladene Datum gleich mehrfach zur Entschuldigung herhalten: Der Flügel stand nicht auf, sondern vor der Bühne, die Hauptscheinwerfer waren ausgefallen, ihm selber fehlte die Fliege zum Frack.

Dabei hätte alles schlimmer kommen können, musikalisch zum Beispiel. Das ambitionierte „skandinavische“ Programm mit Sibelius, Grieg, Gade setzt ja einiges voraus. Wird die herbe Kühle, die Musik der Nordländer prägt, nicht fein herausgearbeitet, kann sie leicht ins Plakativ-Sentimentale abgleiten.

Sieht man einmal vom Eingangsstück, Jean Sibelius’ „Finlandia“, ab, die vor allem wegen der überengagierten Blechbläser von einer Tondichtung fast schon zur „Tonklumpung“ mutierte, amorph und wenig nuanciert, konnte das Schlosskonzert sehr wohl überzeugen. Gewiss: Eigentlich hätte ein derart üppig besetztes Orchester einen größeren Raum verdient, damit der entfaltete Schall überhaupt die Chance hat, hinreichend differenziert wahrgenommen zu werden.

Umso bemerkenswerter ist die Leistung, die Orchester und Pianist, der in Cloppenburg geborene Christian Kassens (28), in Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll opus 16 erbrachten: mit viel Elan und Esprit vorgetragen, klar und frisch im Ausdruck, Pathos und tänzerisch-spielerische Akzente prägnant akzentuierend, und das Ganze so sensibel austariert, dass sich selbst den Hörern in den vorderen Reihen die speziellen Reize des Griegschen Kolorits angenehm erschlossen. Kernig im Ton, um Kurzweil und pointierte Aussage bemüht, verstand man sich im dialogischen Miteinander prächtig.

Der vorwärts drängende Duktus, den Wasmuth den Musikern verordnet hatte, stand auch Niels Wilhelm Gades 1. Sinfonie c-Moll opus 5 gut zu Gesicht. Schade nur, dass sich wieder einmal die vorlauten Bläser in den Vordergrund zu dröhnen anschickten. Ein Umstand, der insbesondere dem Charakter des langsamen, „andantino grazioso“ überschriebenen dritten Satzes zuwider lief. Überhaupt dürften lyrische Stellen feiner gesponnen, die sie tragenden Bögen weiter und sinnfälliger gespannt sein. Ein Manko, das freilich schwungvoll „über-gespielt“ wurde und der Begeisterung des zufriedenen Publikums keinerlei Abbruch tat: je eine Solozugabe des Pianisten und eine des Orchesters. Jedesmal „Bravo“-Rufer, die es von den Sitzen riss.