OLDENBURG - Der Pop-Titan verhilft Oldenburgs Schlager-Hoffnung Oliver Lukas (41) zu einer neuen großen Chance: Acht Jahre nach seinem Nummer-Eins-Hit „Verrückt nach deiner Liebe“ geht Lukas mit einem Dieter-Bohlen-Titel ins Rennen um die Gunst der Schlagerfreunde. „Das erste Mal“, sagt er, „dass ich ein nicht selbst komponiertes Stück aufgenommen habe.“
Offenbar mit Erfolg: „Saint Tropez“ heißt der Titel, der im Internetforum Bohlens World schon auf Begeisterung gestoßen ist. Radiosender wie Bayern 1, SWR, MDR und WDR 4 spielen ihn rauf und runter, obwohl die Single erst im März erscheint.
Lukas hat eine Erklärung: „Wenn auf einer neuen Single Bohlen draufsteht, hören Musikredakteure viel eher rein.“ Dass er sich in Interviews die Frage anhören muss, ob er der Mark Medlock des Schlagers sei, nimmt er gelassen hin. „Casting-Shows“, sagt er, „hätte ich nie mitgemacht.“ Auch nicht mit Dieter Bohlen.
Schon seit Jahren nimmt Lukas seine Singles im Studio von Luis Rodriguez auf Mallorca auf – der war Produzent und „unsichtbarer Dritter“ von Modern Talking, sorgte für deren unverwechselbaren Sound. „Rodriguez hat mir immer wieder gesagt: Deine Zeit kommt“, sagt Lukas.
Aber nach dem Nummer-Eins-Hit wurde es still. „Die Plattenfirmen haben auf Sampler gesetzt. Ich hatte den Eindruck, die haben mit mir nur Singles aufgenommen, damit sie dafür billiges Material bekommen.“ Seine neue Hamburger Plattenfirma Edel wollte es anders; Rodriguez fragte bei Bohlen an, der sagte zu. „Nicht nur, weil er auch aus Oldenburg stammt“, sagt Lukas, „der hat schon hohe Ansprüche.“
Die hat Lukas auch. Seine Titel seien moderne Schlager, sagt er: „Zu modern für Sender wie NDR 1“. Auch Tingeln liegt ihm nicht: „Mancher ist so zum Erfolg gekommen, ich wollte das nicht.“ Positiv, wie er ist, sieht er das so: „Heute ist mein Gesicht noch nicht verbraucht.“
Und dass man auch mit ersten Falten erfolgreich sein kann, „dafür muss man ja nicht so weit gucken“: Das habe Mel Jersey ja mit dem späteren Durchbruch als Judith&Mel vorgemacht.
Es sei heute schwerer bekannt zu werden, als zu den Hochzeiten des deutschen Schlagers in den 70ern, bekennt Lukas: „Wer einmal in der Hitparade war, den kannte einfach jeder.“ Solche Sendungen gebe es nicht mehr – „und aus der Volksmusik tauschen immer mehr die Trachtenjacke mit dem Hawaii-Hemd; der Markt wird enger.“ Auch er kam mal aus einer anderen Ecke. In Nordenham, wo er als Oliver Galle geboren wurde, hat der heutige Donnerschweer als Sänger und Schlagzeuger in einer Band gespielt. Doch irgendwann wurde ihm klar, dass er die Musik seiner Vorbilder U2 „nur im Keller für mich selbst spielte“. Er wandte sich dem Schlager zu und dann ging es mal auf und mal ab. „Lieber ist mir natürlich aufwärts“, sagt er.
Und da ist Dieter Bohlen mehr als eine kleine Hilfe, wenn auch keine Garantie: „Der macht ja viel, darunter ist auch mal ein Flop. Da weiß nur keiner was von.“ Da macht sich Lukas nichts vor. Aber: „Es ist mein Traum, einmal von Auftritten leben zu können“, sagt Lukas. Mit Musik verdient er schon heute sein Geld: Er komponiert u.a. Werbe-Jingles oder auch mal Motivationssongs für Außendienstler: „Mein Brotberuf.“
Dass sich Träume selbst mit Rückenwind nicht immer erfüllen, weiß der Mann aus Erfahrung: „1994 gab ich ein Interview auf Radio Bremen. Die spielten meine Songs, ich hatte keinen Produzenten, sagte das auch. Da meldete sich Luis Rodriguez aus einem Hamburger Studio.“ Welches wohl: Das von Modern Talking. „Ich ging rein“, erinnert sich Lukas, „hatte das Bild vor Augen, wie ich mir bei Rosier einen Mercedes bestelle.“ Daraus wurde nichts.
Vielleicht klappt’s ja jetzt mit St. Tropez.
Hörprobe: http://hitradio.
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