Oldenburg - Der Blick bleibt bei den bunten Figuren hängen. Ein Grinsen verbreitert die Mundwinkel, um schließlich in ein glucksendes Lachen überzugehen. Dann die neugierige Suche mit den Augen nach den Produzenten dieser belustigenden Galerie von Mensch und Tier.

Rieke de Graaf erhebt sich freundlich zwinkernd von ihrem Kaffeeplätzchen und verkündet in dem so sympathisch niederländisch gefärbten Deutsch: „Es darf gelacht werden.“ Ihre farbig gebauten Figuren sind gesichtslos, bunt, witzig und exzellent gearbeitet. Vielleicht ist das der Clou und lässt den Blick so magisch lange daran haften. „Nur wer sich in eine von ihnen verliebt, mag gerne ein paar hundert Euro dafür ausgeben“, sagt lächelnd die Künstlerin, „und es sind nicht wenige“.

Beim Keramikmarkt auf dem Schlossplatz lässt das passende Wetter die Besucherzahlen in die Höhe schnellen. Das Publikum schlendert in gelassener Atmosphäre über den Markt und lässt sich von Stand zu Stand treiben. Hier und da treffen Bekannte aufeinander, halten einen kleinen Klönschnack oder trinken einen Espresso miteinander. Auch diese Art des Events hat ihre eigene Qualität.

„Das war schon immer so“, bestätigt Silke Hagemann. Die Oldenburger Keramikerin ist seit Anfang an dabei und erinnert sich genau: „Seit 37 Jahren und immer umsonst und draußen. Immer das erste Wochenende im August. Töpfermarkt hieß es und die Steinzeugwaren wurden auf Strohballen präsentiert.“

Seit die Werkschule vor 20 Jahren die Organisation übernommen hat, ist ein international renommierter Keramikmarkt mit hochklassigen Präsentationen, Ausstellungen und Preisverleihungen daraus geworden. Künstler und Designer aus 14 Nationen zeigen ihre zeitgenössische Keramik. Besonders bedeutsam in diesem Jahr und herausragend in Qualität und Verarbeitung, stellen die jungen Künstler ihre Arbeiten aus dem Bereich Produktdesign vor. Studiert haben sie an der einflussreichen Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Inspiriert durch die räumliche Nähe zu den Bauhausideen entwickeln sie jedoch völlig eigene unabhängige und sehr zeitgemäße Designlösungen. Ihre Gebrauchskeramik ist von höchster Handwerkskunst, die Objekte sind minimalistisch, schlicht und formklar und gleichzeitig dezent elegant.

Begeisterte Kunst- und Keramikfans verabreden und treffen sich vor ihrem Marktbesuch im Oldenburger Schloss. Im Barocksaal sind Einzelstücke der Marktteilnehmer ausgestellt. Sie geben den Besuchern einerseits eine Zusammenfassung zum Stand der aktuellen zeitgenössischen Keramik und gleichzeitig einen Überblick zu den Künstlern und ihren Werken, die an den Marktständen anzutreffen sind. Mit dem gut strukturierten Veranstaltungskatalog in den Händen steuern viele Besucher gezielt Künstler ihrer Wahl an.

So wie das junge Ehepaar aus Delmenhorst, das für sein Gästebad ein handgedrehtes Waschbecken anschaffen möchte. Schon im letzten Jahr hatten sie sich darin verliebt. Heute wollen sie es mitnehmen. Die Vorfreude ist ihnen anzusehen. Ein anderer Besucher trägt vorsichtig eine Schachtel in seinen Händen. Seinem kürzlich erworbenen Käfer ist ein Fühler abhanden gekommen. Nun macht sich der Mann auf den Weg zu Ross Campbell. Der Künstler ist bekannt für seine ungewöhnlichen und filigranen Insekten aus Keramik. „In diesem Fall spiele ich gerne den Käferdoktor“, antwortet er schmunzelnd.

Das Angebot auf dem Keramikmarkt präsentiert sich abwechslungsreich und vielfältig. Vom erlesenen Kunstobjekt bis zum nichtalltäglichen Gebrauchsgegenstand ist alles zu finden. Kleinere Unikate für drinnen und draußen scheinen besonders gefragt und erschwinglich zu sein. Döschen, vergoldete Vasen und Ziergefäße werden ebenso gerne gekauft wie Gartendekorationen und verzierte Blumenkübel. Schweinchen und Mäuse auf dünnen wackeligen Stangen werden mit Vorliebe heimgetragen. Eben kleine Mitbringsel, die individuell und fantasiereich sind.

Somit ist zu hoffen, dass es auch beim nächsten Mal in der ersten Woche im August wieder einzigartige Kunst zum Betrachten, Fühlen, und Streicheln gibt.

Wo sonst ist man hochwertigen Kunstobjekten so nah und darf sie sogar anfassen?