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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Sicher mit Notfallpetersilie in den Ohren

09.09.2019

Oldenburg Am Anfang war die Angst. Am Ende die Liebe. Und die hat ja auch immer ein bisschen mit Angst zu tun, also mit schwitzigen Händen, schlotternden Knien und wild pochendem Herzen. Welche abstrusen Formen Angst annehmen kann – und wie man sie heraufbeschwört und wieder loswird –, zeigt „Keine Panik!“ von Regisseur Marc Becker. Das Stück für Kinder ab neun Jahren feierte am Freitagabend in der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters Premiere.

Der Titel hält, was er verspricht. Das Stück ruft ganz bestimmt keine Panik hervor – es macht vor allem Spaß. Vor Gruselszenen ist das Publikum dennoch nicht gefeit. Noch bevor die drei Darsteller ihr rasant-charmantes, mit ordentlich (Jugend-)Sprachwitz gespicktes Spiel beginnen, kommt Geisterbahnatmosphäre auf: Da ist dieser graue, verwitterte Zirkuswagen mitten im frostigen Tannenwald. Darüber flackert und zischt eine Lichterkette, ein bedrohliches Brummen ergänzt die düstere Kulisse.

Schon wirbelt Tobias Schormann als Meister der Angst, Peter Panikakis, über die Bühne und zeigt – zitternd, sich windend, sich nur fast in die Hose machend –, was passiert, wenn wir Angst haben. Der ständige Wechsel zwischen charmantem Lächeln und diabolischem Grinsen – ein Genuss.

Ebenso schön anzusehen ist das Spiel von Franziska Werner, die als Angsthase Gabi zur Angstweltmeisterin gekürt wird: Gabi möchte endlich ganz Mensch sein. Dafür muss sie jedoch ihre letzten Haseneigenschaften ablegen. Noch steht sie aber mit schlotternden Knien und angstvoll aufgerissenen Augen im Rampenlicht, die Nase wackelt hektisch, und wenn’s sein muss, hoppelt sie ins Gebüsch und zittert dort weiter.

Es dauert, bis Gabi nicht mehr nervös an der Beruhigungsmöhre knabbert oder sich Notfallpetersilie in die Ohren stopft. Denn, das erfährt das Publikum am eigenen Leib, es ist oft ein schmaler Grat zwischen „Geräuschen“ und „Geräuschen, die Angst auslösen“. Ein Angsthase beugt da lieber vor.

Und dann ist da noch Waldi: Er hat die Evolution vom Hund zum Menschen fast gemeistert. Aber eben nur fast. Die endlose Freude am Stöckchenholen wird er nicht los, und noch schlimmer: Um ein richtiger Mensch zu werden, muss er endlich Angst haben! Alexander Prince Osei springt als tollpatschiger Noch-Hund-fast-Mensch über die Bühne – und auch mal auf Peter Panikakis’ Rücken.

In 75 pausenlosen Minuten verzaubert nicht nur Gabi den scheinbar furchtlosen Waldi und andersrum. Nicht nur die beiden rühren selbst den Meister der Angst fast zu Tränen: Alle drei bescheren dem Publikum ein schaurig-schönes Theatervergnügen. Dafür gab es tosenden Applaus.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Nathalie Meng Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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