OLDENBURG - OLDENBURG - Sie sind die Großmeister des A-cappella-Gesangs: Die King's Singers, das inzwischen schon traditionsreiche, aufgrund der absoluten technischen und musikalischen Perfektion wahrhaft königliche Herrensextett aus Großbritannien. Die grandiose Meisterschaft der Formation war nun in St. Lamberti zu hören.
Zu den Markenzeichen der wohl weltbesten Formation dieser Art gehört eine musikalische Weitläufigkeit, mit der überzeugend hoch anspruchsvolle und leichtere Musik nebeneinander gestellt wird. In St. Lamberti realisierten die Sänger zunächst ein sakrales Programm, in dem Werke altenglischer Renaissance-Meister (Byrd, Tallis) und französischer Komponisten des 20. Jahrhunderts (Poulenc, Duruflé) im Vordergrund standen und das durch Geoffrey Pooles retrospektive „Wymondham Chants" (1970) geschickten Zusammenhang erhielt.
Dabei zeigten die King's Singers nicht nur ihre eindrucksvoll schönen Stimmen und die ganz eigene, immer homogene Klanggestaltung. Vielmehr wurde das Konzert zu einer Demonstration glockenreiner und auch in höchsten Countertenor-Lagen mühelos wirkender Intonationskultur, sprachlicher Deutlichkeit und perfekter Liniengestaltung. Zu hören etwa in Thomas Tallis' „Lamentationes Jeremiae prophetae (II)", die in einem schier unendlichen, von leiser Tristesse zum klagenden Aufschrei gezogenen Spannungsbogen angelegt waren. Oder in Maurice Duruflés „Quatre Motets" op. 10, deren Lyrik durch die faszinierend farbige und wandlungsreiche Piano-Kultur der King's Singers einen ganz eigenen Zauber bekamen.
Dann jedoch gab es ein ganz anderes Bild: Die sechs Herren stellten die Notenpulte beiseite, rückten enger zusammen und widmeten sich Populärem. Etwa mit dem Beatles-Klassiker „Yesterday". Und nun spielten diese Meister-Sänger, denen zuvor noch jede äußere Regung fremd gewesen war, ihren Humor und ihr Showtalent aus. So in Ellingtons „Creole Love Call", in dem eine ganze Jazzband nicht nur klingend, sondern auch sichtbar imitiert wurde. Den Ovationen des hingerissenen Publikums begegneten die King's Singers noch einmal mit Bravour: Rossinis „Barbier von Sevilla" als witzig reißerische Stimmakrobatik.
