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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Alkoholexzesse statt übler Gewaltorgie

23.02.2019

Oldenburg Nach zwei Regionalwerbespots wurde es am Donnerstagabend sehr still im zweiten Saal des Oldenburger Programmkinos „Casablanca“. Denn zahlreichen Kritiken zufolge sollten gerade die ersten Bilder des Films schon ziemlich verstörend sein.

„Der Goldene Handschuh“ von Regisseur Fatih Akin beginnt mit dem ersten Mord von Fritz Honka, der in der Hamburger Trinkerszene der 70er Jahre sein Unwesen trieb. Der deformierte Honka weiß nicht so recht, wie er seine erste Leiche loswerden soll. Er zerstückelt sie.

„Die Gewalt ist kaum ertragbar“, hieß es unter anderem in einer Kritik des NDR über den Film. Auf den ersten Blick kein Wunder, wenn es schon mit der Zerstückelung einer Leiche losgeht. Auch die Reaktionen auf der Berlinale lösten gerade bei Frauen Angst aus. Akin selbst sagte: „Frauen sollten meinen Film nicht sehen“. Andere Medien legten nach. „Am Rande dessen, was Menschen ertragen können“, hieß es im Spiegel und die FAZ schrieb: „Fast unerträglich“.

Wer mit den Aussagen dieser Kritiker – inklusive der von Akin selbst – ins Kino geht, nimmt die Angst aber ganz ohne Grund mit. Tatsächlich zeigt der Film eine derbe, von Suff, Armut und Ekel geprägte Welt abseits der Reeperbahn. Man hört derbste Sprüche, man sieht eingefallene Gesichter, und man sieht, wie der Mörder den Kopf einer Frau immer wieder auf einen Tisch schlägt. Mehr allerdings auch nicht.

Der Film hat zwar einen FSK-18-Stempel aufgedrückt bekommen, aber wohl nur aufgrund der zahlreichen Nackt- und Sex-Szenen. Die Gewalt in dem Film wird nicht drastischer gezeigt als zum Beispiel in der Serie „Game of Thrones“, deren Folgen alle schon ab 16 Jahren freigegeben sind. Der Zuschauer hört wie eine Frau zersägt wird, doch er sieht es nicht.

Viel beklemmender ist es, wie es Akin schafft, dem Zuschauer die Hamburger Trinkerszene zu offenbaren. Der Streifen ist eine gute Motivation für jeden, der sich in der bald startenden Fastenzeit vorgenommen hat, keinen Alkohol zu trinken. Gefühlt in jeder Minute des Films wird Korn wie Wasser heruntergespült. Noch angsteinflößender sind die Gestalten, die tagtäglich an der Theke im „Goldenen Handschuh“ sitzen. Dem Zuschauer wird schonungslos vor Augen geführt, was der Alkohol mit einem Menschen anrichtet.

Wer dies nicht ertragen kann, sollte sich den Film nicht ansehen. Die Gewalt jedoch ist zu ertragen.

Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
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