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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Drama zwischen Wunder und Wahrheit

10.12.2018

Oldenburg Beweise beibringen, Fakten sammeln, das ist die Aufgabe des renommierten Journalisten und Kriegsberichterstatters Jacques Mayano. Und die von seinem Kollegen, dem Bildreporter Christophe, der bei einer Bombenexplosion in einem der vielen Krisenherde dieser Welt ums Leben gekommen ist. Nun soll Mayano, gezeichnet vom Krieg in Mossul, im Auftrag des Vatikans einer Sache auf den Grund gehen, für die es eigentlich weder Beweise noch Fakten geben kann.

In dem Kinofilm „Die Erscheinung“ lässt der französische Regisseur Xavier Giannoli seine Darsteller auf die Suche nach Beweisen für eine Marienerscheinung gehen. Und er macht daraus tatsächlich so etwas wie einen Thriller, allerdings mit Samthandschuhen und einigen Längen. Sein Titelheld Mayano, herausragend verkörpert von Vincent Lindon, verliert nach und nach sein vernunftgesteuertes Weltbild, hat Zweifel, wo zuvor Gewissheit war. Nein, gläubig sei er nicht, betont er zu Beginn und fügt doch zögerlich hinzu: „Es mag vielleicht etwas geben“.

Genau mit diesem „Vielleicht“ konfrontiert Giannoli sein Publikum. Bis ins Letzte aufklären, soviel sei verraten, wird er es nicht. Das Drama zwischen Religion und Wahrheit lüftet zwar ein Geheimnis, endet letztlich aber mit einem Mysterium.

Im Auftrag der katholischen Kirche begibt sich Mayano gemeinsam mit einem Team in den Südosten Frankreichs, in ein abgelegenes Kaff, wo die 18-jährige Novizin Anna der Muttergottes begegnet sein will. Längst strömen Pilger scharenweise in den Ort, von Bussen angekarrt. Die Situation ist für den Vatikan bereits außer Kontrolle – und so soll der Untersuchungsausschuss klären, ob es sich hier tatsächlich um ein Wunder handelt.

Gallatéa Bellugi spielt die strengreligiöse Anna. Man möchte ihrer leisen Stimme, mit der sie von der Erscheinung erzählt, und ihrem unschuldigen Blick aus weit aufgerissenen Augen nur zu gern glauben. Der Ausschuss ist beeindruckt, die Gläubigen sind schier entfesselt – in Pulks drängen sie sich an Anna, um sie wenigstens am Ärmel packen zu können. Das Ganze erinnert an einen Jahrmarkt, und ein undurchsichtiger Priester hat schon mit der Vermarktung im Internet begonnen.

Doch Annas Geheimnis ist letztlich nicht der Kern dieses Films. Dem Regisseur geht es um komplexere Fragen, um eine Welt aus den Fugen, in der die Menschen nach jedem noch so kleinen Zipfel Hoffnung greifen. Um Krieg und Leid und die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, wie es ein Pfarrer formuliert.

Mayano lebt am Ende mit dem Zweifel: „Glauben Sie mir?“, wird er gefragt: „Ich weiß nicht.“

Regina Jerichow Stellv. Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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