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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Geschichte eines spektakulären Lebens

15.09.2018

Oldenburg Popcorn, 3-D, ferne Welten und rohe Gewalt – das Kino ist schon sehr vielseitig. Hollywood macht’s möglich und bietet dem zahlenden Publikum ein paar aufregende Stunden. Doch es geht auch ganz anders: ruhig, hintergründig, mit großer darstellerischer Qualität, beste Unterhaltung garantierend. Das bietet das europäische Erzählkino.

Ein herausragendes Beispiel für diese These läuft an diesem Sonntag als feierliches Finale des 25. Oldenburger Filmfestes: „Frühes Versprechen/La promesse de l’aube“ ist die atemberaubend schöne Verfilmung des autobiografischen Romans von Romain Gary – doch sie ist viel mehr. Das Werk von Regisseur Eric Barbier ist zart und gewalttätig, lustig und traurig, intim und öffentlich. Mehr Emotion, mehr Nähe geht kaum noch.

Offenkundig ist: Das Leben des berühmten französischen Schriftstellers, Regisseurs, Kriegshelden und Diplomaten Romain Gary schreit geradezu nach der großen Kinoleinwand. Seine Kindheit in Litauen, seine Jugend in Nizza und sein späteres Leben in Paris sind ebenso spektakulär wie emotional chaotisch. Wie nur selten in einem „Bio-Pic“ lacht und leidet man mit den Helden auf der Leinwand.

Dafür sorgt an erster Stelle Romain Gary, schließlich ist es sein Leben, das hier in über zwei Stunden ausgebreitet wird. Doch es ist auch ein Leben, das von seiner Mutter maßgeblich bestimmt wird. Bereits dem Kind, das in Litauen, vor der Flucht 1928 in den Westen, noch Roman Kacew hieß, prophezeit Mutter Nina. „Du wirst noch ganz berühmt, ein Diplomat, ein Künstler.“ Dieses frühe Versprechen wird sich an dem Tag, da der erwachsene Romain vom Tod der Mutter erfährt, erfüllen.

Die Mutter als Hauptperson der Autobiografie ihres Sohnes, doch, das funktioniert in diesem Werk: Nicht der Romancier Gary steht im Zentrum seiner Lebensverfilmung, sondern Nina Kacew – und die ist mit Charlotte Gainsbourg perfekt besetzt. Mit ihrer Darstellung der mal himmelhoch jauchzenden, mal zutiefst betrübten, stets liebevollen, nervenden und ehrgeizigen Mutter übertrumpft der französische Filmstar selbst das furiose Spiel von Pierre Niney (erwachsener Sohn), Nemo Schiffman (Jugendlicher) und Pawel Puchalski (Kind).

Die private Reise eines fast zu eng miteinander verbundenen Duos durch eine bewegte historische Zeit (Mitte der 1920er bis in die 50er Jahre hinein) ist ein faszinierendes Stück Kino, dank der schauspielerischen Leistungen, der optischen Opulenz und der Ausstattung des Films. Da schadet es auch nicht, dass Garys spätere Hochzeit mit dem Hollywood-Superstar Jean Seberg und sein selbst gewählter Tod 1980 keine Rolle mehr spielen. Seine Mutter hat den Schriftsteller auf die hohen Sprossen der Karriereleiter geführt – alles, was später an Ruhm dazukam, war nur die im frühen Versprechen bereits verankerte Zugabe.

Klaus Fricke
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