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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kinotipp Fürs Filmfest Oldenburg: „A Violent Man“

14.09.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-09-14T09:04:43Z 280 158

Kinotipp Fürs Filmfest Oldenburg:
„A Violent Man“

Oldenburg Nicht noch eine Rocky-Balboa-Story, könnte man denken, wenn man sich den Plot von „A Violent Man“ durchliest. Keine Sorge – der Film geht viel weiter. Außerdem hat Regisseur Matthew Berkowitz ihn, wie der Titel „A Violent Man“ schon vermuten lässt, viel härter gemacht als den Hollywood-Streifen von und mit Sylvester Stallone – und das auf mehreren Ebenen.

Die erste ist offensichtlich: Ty Matthews (gespielt vom Ex-Footballer Thomas Q. Jones) ist kein klassischer Boxer, sondern Mixed-Martial-Arts-Kämpfer. Er arbeitet und trainiert im kleinen Gym von Pete (Isaach de Bankolé), der Ty bei sich aufnahm, als der in der Jugend seine Eltern verlor. In der MMA-Welt ist er aber ein Niemand. Seine Freundin Whitney (Khalilah Joi) arbeitet in einem Nageldesign-Studio, sie leben sehr bescheiden. Sie wünscht sich, Ty würde einem „richtigen Job“ nachgehen. Es geht ihm nicht besonders gut, aber er macht sich keine Sorgen. Ty hat ein geregeltes Leben, einen Job und ein liebevolles Umfeld.

Eines Tages kommt der als unbesiegbar geltende Champion Marco Reign (UFC-Legende Chuck Liddell) mit seinem Manager ins Gym und bittet um eine kleine Sparringsrunde, in der Ty den Champ zur Aufgabe zwingt. Das wirbelt seine kleine Welt durcheinander.

Weil ein Trainingspartner von Ty das Ganze gefilmt und online gestellt hat, wird Ty über Nacht zum Star der Szene. Es winkt ein Meisterschaftskampf gegen Marco Reign. Ty wittert die Chance auf das ganz große Geld, den Griff nach den Sternen, den amerikanischen Traum.

Doch gleichzeitig gerät Ty in Mordverdacht, nachdem die Reporterin Victoria Mata (Denise Richards), die seine Geschichte groß herausbringen will und mit der er sich auf ein Schäferstündchen einlässt, tot in ihrer Wohnung gefunden wird. War sein Leben jahrelang gleichmäßig unspektakulär verlaufen, stellt es ihn plötzlich vor zwei riesige Herausforderungen: eine extrem gute, eine verdammt böse.

Der weitere Verlauf der Geschichte ist fast vorhersehbar: Als die Polizei bei Whitney und Pete Nachforschungen anstellt, kratzt das an deren Vertrauen zu Ty. Es kommt zum Bruch mit seinen beiden Bezugspersonen. Tys heile Welt bricht auseinander. Er steht alleine da.

Doch was diesen Film so sehenswert macht, ist die Undurchsichtigkeit der Hauptfigur. Ob Ty vielleicht doch die Reporterin getötet hat, bleibt bis zum Schluss offen.

Man traut es ihm eigentlich nicht zu, denn Ty ist ein von Grund auf sympathischer Typ, Marke ehrlicher Arbeiter, loyal, bescheiden, anständig. Einzig seine bloße Muskelmasse flößt irgendwas zwischen Respekt und Angst ein.

Doch nachdem er den Champion zu Boden gebracht hat, wird er trotz seiner 34 Jahre zum jungen Wilden. Dass er keine gute Bildung genossen hat, ist klar. Phasenweise legt er aber auch die geistige Reife eines Teenagers an den Tag. Sein Verhalten seiner Freundin gegenüber ist nicht nur naiv, sondern enorm ich-bezogen und eher rücksichtslos. Und auch seine Wut hat er nicht im Griff. In Verbindung mit jahrelangem Kampftraining keine gute Kombination.

Der Titel „A Violent Man“ trifft hier also wie die Faust auf’s Auge, könnte man denken. Allerdings trifft er auch auf einen anderen Mann zu: Marco Reigns Manager Benjamin Green (Bruce Davinson). Der stellt Ty nach dessen Sparrings-Erfolg gegen seinen „unbezwingbaren“ Schützling vor die Wahl: Entweder er nimmt Ty unter Vertrag – was dieser aus Loyalität zu Ziehvater Pete ablehnt. Oder Ty unterschreibt, dass er niemandem von der Geschichte erzählt – und erhält 10000 Dollar. Green macht klar: MMA ist ein großes Geschäft, und das große Geld macht die Regeln.

Am Ende läuft es für Ty nicht nur auf einen Titelfight Mann gegen Mann gegen Marco Reign hinaus. Die weiteren Kämpfe um seine Freundin, seinen Freund und Trainer, gegen die Polizei und gegen Green und sein Geschäftsimperium machen klar, warum der „American Dream“ oft doch nur ein Traum bleibt.

A Violent Man:
Donnerstag, 21.30 Uhr, Cine k/Studio;
Samstag, 16.30 Uhr, Cine k/Muvi

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