OLDENBURG - Die Stimme am Telefon klingt frisch und fröhlich – etwas Schalk ist manchmal mitzuhören. Wie es ihm gehe? „Ich kann wirklich nicht klagen, bin rundum zufrieden und sehr dankbar“, sagt der Oldenburger Altbischof Dr. Wilhelm Sievers, der heute in Preetz (Schleswig-Holstein) 80 Jahre alt wird.
Vor fast 13 Jahren hat er in Oldenburg das Bischofskreuz seinem Nachfolger Peter Krug übergeben und ist anschließend in sein geliebtes Heimatland Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Dort lebt er mit seiner zweiten Frau Liesel – die erste ist früh verstorben – und genießt in vollen Zügen sein Ruhestandsleben.
Dabei ist er noch immer auch als Seelsorger aktiv. Einmal im Monat predigt er in einem Kloster – eine Herausforderung, die er nicht missen möchte. Sievers: „Es ist schön, wenn man auf diese Weise auch als Ruheständler eine kleine Predigtgemeinde um sich sammeln kann.“
Nüchtern und präzise in der Analyse, entscheidungsfreudig und reaktionsschnell im Handeln: Das hieß es nach seiner Amtszeit als Bischof über Sievers. Die Kirche habe er nicht nur als wichtiges Glaubensfundament, sondern auch als ein Dienstleistungsunternehmen verstanden.
Diese Eigenschaften kommen ihm auch heute noch zugute, helfen sie ihm doch, seine Predigten („selbstverständlich auf dem Computer“) klar und präzise zu strukturieren. So entgehe er der Gefahr, beim Predigen zu stark auszuufern: „Alter kann schließlich geschwätzig machen.“
Besonders schön sei es, sagt Sievers, dass er als Pastor mit dem Ruhestand lediglich von seinen Pflichten entbunden sei – die Rechte zum pastoralen Dienst aber behalte. Hier blitzt wieder die Oldenburger Dienstzeit durch, denn auch im Bischofsamt ließ Sievers immer den Pastor deutlich werden.
Themenschwerpunkte verlagern sich allerdings im Laufe der Zeit. So beschäftigt er sich zurzeit mit dem Thema Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin: „Das sind ja Fragen, die man nicht mit alten theologischen Kalauern beantworten kann.“
In seiner „Freizeit“ gibt es ein volles Programm: Da ist seine große Familie mit insgesamt fünf Kindern und sechs Enkeln, eine ökumenische Reisegruppe, bei der er selbstverständlich für die Morgenandacht zuständig ist und die Skatrunde, die ihm sehr wichtig ist. Der Garten und der hinter dem Grundstück liegende Kirchsee bieten weitere Möglichkeiten – so gehören Rudern und Schwimmen neben Gartenarbeit zum Sommerprogramm.
Glückwünsche zum runden Geburtstag gibt es auch aus Oldenburg. So hat ihm der Nach-Nachfolger im Bischofsamt, Jan Janssen, „herzliche Segenswünsche“ übermittelt. Dankbar erinnere er sich an den freundlich zugewandten Menschen Wilhelm Sievers, der keine Mühe gehabt habe, das Evangelium „menschlich und verständlich weiterzusagen“. Persönlich kann Sievers am 4. Mai ab 16 Uhr in der Oldenburger Lambertikirche bei einem Empfang gratuliert werden.
Über die Veranstaltung freut sich der Altbischof, der auch noch persönliche Freunde im Oldenburger Land hat. Grundsätzlich ist er aber froh über die räumliche Distanz zum alten Arbeitsplatz: „So werde ich nicht ständig gefragt, was ich denn zu aktuellen Dingen sagen würde.“ Da rutsche einem vielleicht doch mal ein Kommentar heraus – und schon sei die Atmosphäre vergiftet.
