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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Klassik: Eine Menge Heim- und Auswärtsspiele

16.03.2020

Oldenburg Die Ansicht leerer Seiten in Auftragsbüchern zählt zur unbeliebtesten Lektüre. Handwerker runzeln die Stirn, Künstler sorgen sich um ihren Marktwert. Hendrik Vestmann sieht das gelassen. Oldenburgs Generalmusikdirektor (GMD) ist längst ein über das Staatstheater hinaus gefragter Dirigent. Er weiß das für die eigene Reputation zu schätzen, natürlich. Aber der 45-Jährige sieht nicht allein für sich den Nutzen von Angeboten aus aller Welt. „Gastdirigate erweitern den Horizont“, sagt der Este, „für einen persönlich und für die Musikerinnen und Musiker zu Hause.“

Auffällig zu schätzen weiß die Komische Oper Berlin die praktische Arbeit, die Zuverlässigkeit, die Gestaltungskraft und auch die Motivationskunst Vestmanns. Mozarts „Zauberflöte“ hat Oldenburgs GMD nicht nur in der Hauptstadt geleitet, er ist mit dem gesamten Ensemble weit gereist, bis nach Korea und China mit Peking.

Im Auftragsbuch unter der Rubrik Berlin stehen etwa auch Bizets „Carmen“ oder HK Grubers abgründige Oper „Geschichten aus dem Wienerwald.“ Das Nationaltheater Mannheim setzte mit großer Zustimmung auf Vestmanns Leitung von Mozarts „La Clemenza di Tito.“ Notiert sind zudem Konzertauftritte im In- und Ausland und bei hochrangigen Orchestern.

In ein solches Netzwerk hinein führen etliche Wege. Agenturen können sie ebnen, manchmal auch über Probedirigate. „20 Minuten aus der Ersten von Brahms sind da sicherlich herausfordernd“, erzählt Hendrik Vestmann. „Aber eine Falle stellt sich dann mit dem Beginn von Puccinis La Bohème – genau da zeigt sich, ob man dirigieren kann.“ Im Geschäft ist man dann allerdings noch nicht. Treffend zitiert Oldenburgs GMD da einen seiner Lehrer: „Einmal eingeladen zu werden, zählt nichts – anerkannt bist du erst, wenn du wieder eingeladen wirst.“

So etwas erlebt der Gewinner des Weimarer Hermann-Abendroth-Preises und Finalist beim Berliner Deutschen Dirigierpreises gerade in Australien. In Perth und Adelaide hatte er im vorigen November das West Australian Symphony Orchestra geleitet, etwa mit der Fünften von Tschaikowsky. Im Februar war er gerade wieder Gast in Adelaide, im Sommer und Herbst folgt erneut Perth.

Doch erst gibt es zu Hause intensive Arbeit. Dreimal innerhalb von jeweils neun Tagen prunkt das Staatstheater mit dem kompletten Wagnerschen „Ring“ im Juni/Juli, im September und im Oktober. Dreimal 16 Stunden weltumstürzendes Drama, das schüttelt kein Dirigent aus dem Ärmel.

Vestmann genießt auch im Umgang mit fremden Orchestern offenbar einen guten Ruf. Er sage manchmal zu den Musikerinnen und Musikern: „Erwarten Sie nicht, dass ich ein Autopilot bin.“ Will heißen: „Ich muss eine sichere Basis spüren. Da bin ich dann kein Nachdirigent, sondern eher jemand, der Eigenes herausarbeitet.“

Das Vermögen zum Ausgleich oder auch zum Loslassen sind gefragt. Wie vereinbaren sich Gastspiele mit den Heimspielen bei „seinen“ Oldenburgern? Wie baue ich mein Repertoire auf? Nicht zu eng, auch nicht zum Verzetteln ausschweifend. Berechenbar ist da wenig.

Einem seiner Vorgänger, Reinhard Seifried, nahmen die Oldenburger gerade seine Abwesenheiten krumm. Roger Epples Gastspielreisen mit dem Gewandhausorchester Leipzig oder Dirigate in Paris stuften sie hingegen als weltoffen und Werbung für Oldenburg ein. Manchmal hat das Staatstheater auch Spezialisten. So suchte die Oper in San Francisco bei GMD Alexander Rumpf um die Leitung von „Le grand Macabre“ von György Ligeti nach. Das führte Oldenburg im Spielplan.

Manchmal schlägt der Zufall zu. Vestmann wurde vor etlichen Jahren von den Hamburger Sinfonikern zur Leitung von Beethovens Neunter in die Laeiszhalle eingeladen. Wie es dazu gekommen war, erfuhr er erst dort. Der WDR hatte in Dortmund ein Hörfunk-Interview mit ihm geführt. Das hörte Hamburgs Chefdirigent Jeffrey Tate im Autoradio. „Das scheint ein kluger Mann zu sein“, erklärte daraufhin Tate in seinem Hause. „Den lasst uns doch mal herholen.“ Vestmann hatte noch Termine frei.

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