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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Selbstfindung der besonderen Art

17.02.2018

Oldenburg Das Leben eines Possenreißers und Komponisten veganer Kinderlieder (größter Hit: „Schrot, du hast das Korn gestohlen“) kann kompliziert sein. Sein leicht alternativer, leicht linker und schwer versnobter Alltag gerät ins Wanken, als das bis dahin nur theoretisch vorhandene Thema Flüchtlinge/Geflüchtete ein Teil seiner Realität wird. Eine existenzielle Katastrophe droht … wenn nicht Christian Ehring wäre.

Hochpolitisch

Mit eben dieser Situation setzt sich der Kabarettist Ehring in seinem aktuellen Programm „Keine weiteren Fragen“ auseinander, und über 450 Besucher in der ausverkauften Oldenburger Kulturetage hatten jetzt ihren großen Spaß daran.

Der zweieinhalbstündige Auftritt des 45-jährigen Düsseldorfers war einer der Höhepunkte der laufenden 23. Kabarett-Tage.

Christian Ehring, schauspielerisch ebenso glänzend wie rhetorisch überzeugend, macht in seinem Vortrag aus Privatem Hochpolitisches. Da ist der 18-jährige Sohn, der auf dem Absprung ins Freiwillige Soziale Jahr (in einen Slum in Buenos Aires, sehr hip) ist, weshalb im Eigenheim des Erzählers (beste Lage im innerstädtischen Grünen, Nachbarschaft Grünen-Wähler) die vom Sohn genutzte Einliegerwohnung frei wird.

Der Gattin kommt die Idee, sie einem nach Deutschland geflüchteten Mann aus Eritrea anzubieten – und damit beginnt eine turbulente Reise in Seele und Herz des ach so freigeistigen Kinderliedermachers, der plötzlich seine Lebensentwürfe, Einstellungen und Vorstellungen hinterfragen muss.

Lachen und Klatschen

Die besondere Kunst des Kabarettisten Ehring ist es, eine hintergründige, witzige Geschichte zu erzählen, die aus individuellen Ereignissen den Bogen schlägt zu großen Themen unserer Zeit: Rechtspopulismus, Regierungssuche, Flüchtlingskrise – das alles hat für Ehring zu tun mit Selbstfindung, Familienstress und dem Wunsch, Yogalehrer zu sein. Wer meint, das eine hätte nichts mit dem anderen zu tun, mag recht haben. In der Welt des Kabaretts aber passt das schon.

Das Oldenburger Publikum jedenfalls lachte und klatschte ausdauernd. Vielleicht auch, weil es sich bisweilen selbst entdeckte in Christian Ehrings Erzählungen.

Klaus Fricke

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