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Kolumne „Ein Jahrhundert – 100 Bücher“ (Teil 30) Joseph Brodsky: Ufer der Verlorenen (1989)

Klaus Modick Bernd Eilert

Oldenburg - Angesichts all der Literatur, all der Kunst und all der Musik, die von ihr inspiriert wurde, könnte man auf die Idee kommen, dass Venedig die schönste Stadt der Welt ist.

Auf jeden Fall ist sie die unwahrscheinlichste aller Städte, weil sie, ins Wasser gebaut, aus Wasser gebaut zu sein scheint. Der Dichter Joseph Brodsky, der 1987 den Literatur-Nobelpreis erhielt, meinte jedenfalls, dass Venedig alle er-kennbaren Wassermerkmale aufweise: „Klatschend, glitzernd, glühend, gleißend hat sich das Element seit so langer Zeit emporgeworfen, dass einige dieser Aspekte schließlich Masse und Fleisch angenommen haben und fest geworden sind“ – zu Stadt und Stein gewordenes Wasser.

Jährlich als Gast in Venedig

Brodsky wurde 1972 aus der Sowjetunion ausgebürgert, fand Exil in den USA und besuchte fast jedes Jahr Venedig, und zwar stets im Winter, wenn die Touristenströme zu Rinnsalen werden. Denn Venedig „eignet sich nicht als Museum, da sie selbst ein Kunstwerk ist, und zwar das größte Meisterwerk, das unsere Gattung hervorgebracht hat. Man erweckt ein Gemälde nicht zum Leben, geschweige denn eine Statue. Man lässt sie in Ruhe, man schützt sie vor Vandalen – zu deren Horden man durchaus selbst gehören mag.“

Elegante Mischung

Die Frucht von Brodskys Liebe zu Venedig ist sein ebenso kluges wie poetisches Buch „Ufer der Verlorenen“, eine elegante Mischung aus Reisebericht, autobiografischer Reflexion und kulturhistorischem Essay. Bei seiner geistreichen Flanerie durch die bekannten und verborgenen Orte und Stellen dieser Stadt kommt Brodsky dennoch nie in Versuchung, Vielfalt und Widersprüchlichkeiten in eine Definition zu zwängen. Die Frage, was denn Venedig nun eigentlich ausmache, und dazu noch im Winter, beantwortete er ironisch: „Es ist wie Greta Garbo, wenn sie schwimmt.“

Joseph Brodsky starb 1996. Sein Grab befindet sich auf der Friedhofsinsel San Michele in der Lagune von Venedig.

Die Autoren dieses Beitrages sind Klaus Modick und Bernd Eilert. Die beiden Oldenburger Schriftsteller stellen in dieser Literatur-Kolumne 100 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts vor. Weitere Folgen zum Nachlesen gibt es hier.

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