Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Kolumne „Ein Jahrhundert – 100 Bücher“ (Teil 45) Alexander von Lernet-Holenia: Der Baron Bagge (1936)

Bernd Eilert Klaus Modick

Oldenburg - Die schönsten Beispiele für deutschsprachige fantastische Literatur stammen aus dem untergegangenen K.u.K.-Reich: Schnitzlers „Traumnovelle“, Meyrinks „Golem“, Romane von Perutz oder Kubin – in den Schatten gestellt werden sie alle von Alexander Lernet-Holenias „Der Baron Bagge“.

Lernet-Holenia hat Romane, Theaterstücke, Drehbücher geschrieben. Manches ist ihm gelungen – diese Novelle, die Motive aus Ambrose Bierces Erzählung „Ein Vorfall an der Owl-Creek-Brücke“ aufnimmt, ist makellos: Eine Rahmenhandlung weckt Interesse für eine geheimnisvolle Person, die dann ihre angeblich wahre Geschichte erzählt.

Führen Befehle ins Verderben?

Diese spielt im Ersten Weltkrieg: Der Baron Bagge ist mit seiner Kavallerieeinheit auf dem Weg an die Front. Der Ritt führt in den Norden Ungarns, und je länger er dauert, desto unwirklicher erscheint die Umgebung, desto seltsamer verhalten sich auch die Offizierskameraden. Vor allem sein Vorgesetzter weckt in Bagge den unbestimmten Verdacht, dass dessen Befehle sinnlos ins Verderben führen. Und je weiter die Schwadron reitet, desto fragiler wird die Welt, immer weniger Sonnenschein fällt in die engen Täler, im Zwielicht scheint das Wasser eines Flusses aus Glasscherben zu bestehen.

Kein Zurück mehr aus einem Albtraum

Nach einem Scharmützel auf einer Brücke wird Bagges Traum endgültig zu einem Albtraum, aus dem es scheinbar kein Zurück mehr gibt. Seine bange Frage, „was dieser Irrsinn bedeute“, bleibt zunächst unbeantwortet. Und soll’s hier auch bleiben. Formal rundet sich die Novelle schulmäßig. Der gleitende Übergang zwischen Wirklichkeit und Wahn ist im fantastischen Genre zwar nichts grundsätzlich Neues, doch Lernet-Holenia gelingt es, den Gegensatz zwischen den beiden Welten mit so un­heimlicher Leichtigkeit in Literatur aufzulösen, dass sein „Baron Bagge“ neben Edgar Allen Poes „Denkwürdigen Abenteuern des Arthur Gordon Pym“ durchaus bestehen kann.

Die Autoren dieses Beitrages sind Klaus Modick und Bernd Eilert. Die beiden Olden­burger Schriftsteller stellen in dieser Literatur-Kolumne 100 Meisterwerke des 20. Jahr­hunderts vor. Die Kolumne erscheint regelmäßig exklusiv in dieser Zeitung. Die Folgen zum Nachlesen gibt es unter www.nwzonline.de/jahrhundert-buecher

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden