OLDENBURG - Wer seit Jahren die Comedy-Szene beobachtet, dem wird auffallen, dass sich gewisse Comedy-Standards etabliert haben. Komiker kochen halt auch nur mit Wasser. Aber was am Ende zählt, ist der Lacher. Und da Geschmäcker verschieden sind, geht das Konzept der vierten Komischen Nacht in Oldenburg auf. Im 25-Minutentakt geben sich in neun Lokalen jeweils fünf von insgesamt neun Komikern und Kabarettisten die Klinke in die Hand. Laut Veranstalter sind zum ersten Mal mehr als 1000 Besucher dabei.

Der besondere Reiz liegt in der Chance, unverbrauchte Talente zu entdecken. Komiker, die einen nicht schon täglich über alle Fernsehkanäle hinweg verfolgen und deren man deshalb noch nicht überdrüssig ist. Unterschied zum Fernsehprogramm: Wer im Publikum sitzt, wird einbezogen. Da gibt es Brausepulver als Belohnung für den Versuch einer Antwort. Oder der Fürst der Finsternis erwählt einen persönlich zur „freiwilligen“ Assistentin.

Letzterer beginnt seine Show mit unterkühltem Antritt im Dracula-Gewand. Sobald er den Mund aufmacht, klingt er allerdings wie eine aufgeputschte Version von Willi aus der Zeichentrickserie Biene Maja. Herrlich durchgeknallt und anarchistisch gibt Martin Sierp den freundlichen Vampir von nebenan. Und verblüfft mit übernatürlichen Kräften. Die Augen mit Klebeband verdeckt, liest er die Gedanken der auserwählten Assistentin per „Echolotung“.

Der 20-Jährige Malte Pieper stellt fest, dass es in Magdeburg keinen Berufsverkehr gibt, weil dort keiner arbeitet. Sein Steckenpferd ist die Werbung: „Ein Werbespot für Verhütungsmittel würde mit Boris Becker nicht funktionieren“. Dass Piepers Vater beteuert, ihn beim Parken versehentlich mit dem Auto angefahren zu haben, nimmt der junge Komiker ihm nicht ab: „Wer sein Kind Malte nennt, der fährt auch drüber.“

Dirk Langer alias Nagelritz mimt den singenden Seemann. „Kommt beim Landgang ein Kind, gibt’s gleich Brause; könnte ja meins sein.“ Sein Name klingt nicht zufällig nach Ringelnatz. Von ihm vertont er mit Akkordeon das Gedicht „Hafenkneipe“. Lyrisch geht es auch auf dem Meer zu. „In der See seh‘ ich ‘n Zeh und der Rest ist im Hai – bye bye.“

Zwischen Zoten und Charme balanciert der Engländer Don Clarke. Sein Kurzprogramm kreist um die Schwierigkeiten des Engländers mit der deutschen Sprache. Thiess Neubert arbeitet sich am Geschlechterverhältnis ab und lässt als Masche den Delfintrainer raushängen. Keinesfalls Mario-Barth-lastig, aber etwas berechenbar. Sein Timing ist jedoch hervorragend und funktioniert wie bei Dieter Nuhr.

Die genannten Komiker traten etwa in der Exerzierhalle auf. Außerdem waren an den anderen Veranstaltungsorten noch Jundula Deubel, Keirut Wenzel, Thomas Kreimeyer und Johannes Flöck dabei.