OLDENBURG - „Akkordarbeiter“ hat sich der Komponist Max Reger mit dem ihm eigenen Humor selbst genannt. Und wenn dieser Spätromantiker in einem Werk recht eigene Ausdrucksbezeichnungen wählt, dann hat er nach etwas ganz eigenem gestrebt. „Dolente“ hätte er gern das Eingangs-Allegro zu seiner Sonate für Klarinette und Klavier fis-Moll op. 49/1, bedrückt oder wehmütig. Das Schluss-Allegro drei Sätze später hörte der Herr Reger dann gern „affabile“, lieblich im Ausdruck.

Der Klarinettist Sebastian Manz und der Pianist Martin Klett sind zwei Künstler, die solche Nuancen im 2. Meisterkonzert des Kunstvereins im Landtagssaal geradezu con passione aufspüren und umsetzen. Jeder hat schon ordentlich Preise eingesammelt, der Klarinettist gar 2008 einen zuvor 40 Jahre lang in dieser Kategorie nicht mehr vergebenen 1. Preis im ARD-Wettbewerb.

Wer erlebt, wie Manz Registerfarben, Ausdrucksvarianten und Klangformen seines Instruments ausnutzt, dem wird die ungewöhnliche Anerkennung klar. Er entfaltet Schalmeientöne von berückender Weichheit, hält Spannung in langen Bindungen und weiten Bögen, kann auch aggressive Attacken in der Höhe herausschleudern. Die Register wirken tonlich gegeneinander ausgeglichen, selten wird der Klang mulmig. Klett liefert über den musikalisch stabilisierenden Unterbau hinaus eigene Gedanken, mit denen er speziell in der Sonate f-Moll op. 120/1 von Johannes Brahms das Geschehen anheizt und vorwärts treibt.

Das Format der als Duo Riul zusammen wirkenden Musiker verdeutlicht dann auch, dass Brahmsens dramatisches Opus zu den Höhepunkten dieser Werkgattung zählt. Regers Schöpfung mit ihrem ruhig strömenden Melodiefluss lehnt sich spürbar daran an. Der Brahms verlangt unendlich viel Einfühlungsvermögen, eine breite Palette an Zwischentönen. Alle diese Abstufungen gelingen, ebenso die vertrackte Verzahnung der Bläserstimme mit dem Klavierpart.

Derart wohl proportioniert, ohne dass es gediegen langweilig würde, wirken auch die teils hochvirtuosen Beistücke im Programm, bis hin zu Zugaben für den heftigen Beifall: Fantasiestücke und Miniaturen von Schumann, Penderecki, Lutoslawski oder dem nordischen Romantiker Nils Gade – eine ganz eigene Zusammenstellung in einer ganz eigenen Umsetzung.

Reihe Meisterkonzerte: www.kunstverein-oldenburg.de