OLDENBURG - Schumanns Frühlingssinfonie dringt auch in die Tiefe. Dafür herrscht bei Mozart etwas viel Zurückhaltung.

Von Horst Hollmann

OLDENBURG - Frühling lässt bekanntlich „sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“. Und im 6. Sinfoniekonzert des Oldenburgischen Staatsorchesters knattert es bei Robert Schumanns 1. Sinfonie richtig straff im Wind. Beim „Trittico Botticelliano“ von Ottorino Respighi windet und kräuselt es sich ungemein apart. Aber beim bezaubernden Konzert für Flöte, Harfe und Orchester KV 299 von Wolfgang Amadeus Mozart baumelt es schlaff herunter.

Schumann hätte sein Glück der frühen Jahre immer wieder preisen und in die Welt hinaus komponieren können. Von diesem Überschwang ließ Olaf Storbeck, der neue 1. Kapellmeister, das Orchester und die Musik in der „Frühlingssinfonie“ B-Dur op. 38 tragen. Aber er wurde nicht nur dem jugendlichen Gefühl des Werkes gerecht. Er brachte den Über-Schwung prachtvoll mit der bei Schumann heiklen Organisation der Durchhörbarkeit im Tonsatz in Einklang. So dringt er unter die Oberfläche von vermeintlich nur tänzerisch-heiteren Stimmungen.

Die Frühlings-Entdeckung sind Respighis drei Sätze nach Bildern Botticellis. Man kann die schwirrenden, silbrigen Klänge des Kammerorchesters aus nur knapp 30 Spielern durchaus frei von den etwas unruhig auf eine Leinwand projizierten Gemälden hören. Storbeck und das Orchester breiten alle Nuancen der Farben klar aus und räumen jeden Gedanken daran aus der Welt, dass diese Neoklassik auch Musik aus zweiter Hand sein könnte. Diese Musik ist, wie sie ist. Und so ist sie wunderschön.

Flügel des Frühlings waren hingegen in Mozarts Doppelkonzert zumindest gestern noch nicht gewachsen, trotz einzelner Bravos für die Orchester-eigenen Solistinnen und einer Zugabe. Stephania Lixfeld (Flöte) mit einem schön gerundeten Ton und Annika Wirth (Harfe) mit feiner Sensibilität hinter ihrer Fingertechnik waren sicherlich bemüht, sich nicht gegenseitig zu übertrumpfen. Aber aus guter Absicht kann leicht zu viel der Bescheidenheit werden. Und insgesamt gewinnt Mozart durch beschwerte Tempi nicht noch mehr an Gewicht. Er verliert im Orchester Spritzigkeit und Charme und wirkt eher pedantisch. Aber das rundet das Bild des aktuellen Frühlings – auch er hält manchen Sturm und Aufbruch noch zurück.

Das Konzert wird heute und morgen um 19.30 Uhr wiederholt; Karten: 0441/2225111.