OLDENBURG - Drei Chöre, ein Ziel: Gesellschaftliches Engagement in einem gemeinsamen Konzert in der Aula der Universität demonstrieren. Der Auftritt fand im Rahmen des „Komponisten-Kolloquiums“ des Instituts für Musik statt.

Da die insgesamt 22 Chorwerke aus verschiedenen Jahrhunderten und verschiedenen Kulturen auch moderne Musik zum Klingen brachten, ist die Platzierung in dieser Reihe für „Musik unserer Zeit“ nachvollziehbar. Dennoch lag der Schwerpunkt nicht auf dem Kompositorischen, sondern auf dem intellektuellen und emotionalen Gehalt der Werke.

Der Oldenburger Chor Bundschuh, die Bremer Chorwerkstatt und das Groninger 4 Mei-Projekt machen Musik, die der Völkerverständigung, dem Frieden der Menschen untereinander und mit der Natur und der Erinnerung an traumatische politische Ereignisse gewidmet ist.

Gleich das Eingangsstück, ein dreisprachiger Kanon nach einem Text von Nazim Hikmet, wird von den drei Chören auf Türkisch, Deutsch und Niederländisch gesungen. Es handelt ebenso knapp wie poetisch von der individuellen Freiheit im brüderlichen Miteinander.

Alle Werke des Programms entsprachen mehr oder weniger dieser Programmatik, manchmal, wie bei der rhythmisch schlagkräftigen Adaption von Michael Jacksons „Black or White“, vielleicht etwas naiv und vordergründig, manchmal einfach nur berührend und erhebend wie bei „The Gathering of the People“ nach einem Gedicht eines Chartisten-Führers, nachdenklich stimmend beim großartigen „Drömmarna“ (Träume) von Jean Sibelius nach einem schwedischen Text von Jonatan Reuter. Wenn auch die Geschlechter sterben, verschwinden, erlöschen, so sterben die lockenden Träume nicht: spricht das für oder gegen lockende Träume, wie realitätsgesättigt sind „lockende Träume“?

Bei „The Magic of Music“, einer Komposition von Ton de Leeuw von 1970, umstellten die drei Chöre das sitzende Publikum, das Licht wurde gelöscht, die drei Dirigenten (Robert Brüll, Christian Höffling, Pieter Kole) leiteten simultan vom Mittelgang her. Der Text, nach einem indischen Lehrbuch über Musiktheorie, preist die Musik, deren Einfluss nicht nur auf Tiere, sondern auch auf Menschen überaus positiv sei. Die Komposition basiert auf dem Interesse des Komponisten an Ragas, die bestimmte Muster bilden, eine andere Ordnung vorgeben als in der abendländischen Tradition üblich.

Im Erklingen traten Experimentelles, Einstudiertes, Erarbeitetes, Gelungenes, Exotisches, Spontanes zu einem Sinneserlebnis zusammen. Das hellwache Publikum hatte an diesem Happening seine besondere Freude, applaudierte aber auch bei allen anderen Werken laut und anhaltend.