OLDENBURG - OLDENBURG - Die Förderung neuer Vokalmusik hat beim Hochschulchor der Oldenburger Universität würdige Tradition: Nicht nur in den Konzertprogrammen, sondern vor allem durch einen in zweijährigem Turnus vom Chor ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb setzen das Ensemble und sein Leiter Manfred Klinkebiel hier gewichtige Akzente. Mit einem festlichen Konzertabend stellte der Chor nun das Siegerwerk des 7. Wettbewerbs in der Aula der Universität vor.

Den mit 750 Euro dotierten Preis erhielt der 1973 geborene Matthias Hoffmann für sein Werk „Noch drei Tage“. Hoffmann nahm sich für die Komposition (Chor, Sprecher und Instrumentalisten) einen privaten Brief Carl von Ossietzkys als Vorlage. Diese klingende Würdigung des Namensgebers der Universität zeigt nicht den Meisterdenker und Friedensnobelpreisträger, sondern das persönliche Schicksal Ossietzkys. Damit ist sie gewiss kein Heroenepos, sondern eine tiefe, sensible und sehr menschliche Komposition.

Aus dem Wissen heraus um die tragischen letzten Lebensjahre, die mit eben jenem Abend im Mai 1932 begannen, an dem Ossietzky erstmals inhaftiert wurde und diesen Brief an seine Frau schrieb, wählte Hoffmann eine düstere Tonsprache. Kurzatmige Strukturen, die in expressiven Wellen auf den Hörer zurollen, eindringliches Flüstern im Chor, dazu dunkle Reibungen und markante Eckpunkte erzeugen eine erschütternde Atmosphäre, die von den Musikern einfühlsam nachempfunden wurde. Hoffmann sieht das Stück in der Werkgattung des Madrigals, was von seinem kompositorischen Traditionsverständnis zeugt, beim Hörer aber Erwartungen weckt.

Der Uni-Chor stellte geschickt Gattungsbeispiele aus der Renaissance – Blütezeit des weltlichen Madrigals – vor die Uraufführung des Hoffmann-Werkes. Auch hier kamen die hohen gestalterischen Fähigkeiten des Klangkörpers günstig zur Wirkung. Bindeglied zwischen dieser Musik und Hoffmanns neuen Klängen waren Instrumentalbeiträge aus dem 20. Jahrhundert, in denen Roman Kehle und Roberto Reale (Klavier), Norbert Ternes (Geige) und Carolin Wiese (Cello) auf hohem Niveau musizierten.