OLDENBURG - Wie fängt ein Konzert von Olli Schulz, dem netten Künstler-Typ von nebenan an? Natürlich mit Süßigkeiten. „Hallo Oldenburg, schön, dass ihr da seid. Mein Name ist Schulz“, spricht der Entertainer, tritt im ausgebeulten Jackett auf die Bühne im Amadeus, wirft Schokoriegel ins Publikum. Da Schulz ein netter Kerl ist, lässt er es sich nicht nehmen, seine Vorband persönlich vorzustellen: „Lee Buddah, für den Dortmunder Singer/Songwriter wird immer eine Kerze in der Kathedrale meines Herzens brennen.“
Lee Buddah, Ende der 90er Jahre als der deutsche Beck kurzzeitig gefeiert, spielt sich dann durch ein Set, das zwischen Besinnlichkeit, Humor und dem Hildegard Knef-Cover „Im 80. Stockwerk“ pendelt und zugleich die emotionalen als auch musikalischen Koordinaten für Olli Schulzes Auftritt aufzeigt. Und dieser beginnt mit seiner hervorragenden Begleitband „Home Of The Lame“ mit dem aufbrausenden Song „Wenn das Leben dich beißt“.
Liedermacher, Augenblickssammler, Wortakrobat, tanzender Pop-Almanach, Bon-vivant und nach seinem Auf-tritt bei Stefan Raabs „Bun-desvision Song Contest 2009“ Pop-Opportunist – das wird ihm zumindest seither öfters vorgeworfen: Es gibt wohl viele Möglichkeiten, Olli Schulz zu charakterisieren. Aber nach diesem Konzertauftakt kommt noch eine neue Komponente hinzu: Rocker. Der nette Rocker im Sakko. Dass er dieses trotz tropischen Temperaturen im Amadeus anbehält, ist natürlich Ehrensache. Ansonsten gibt Schulz den Grenzgänger, der seine Auftritte zwischen Comedy und Musik gnadenlos variieren lässt.
„Es brennt so schön“ hat Schulz sein aktuelles Album genannt, das er neben Hits wie „Nimm mein Mixtape, Babe“, „Elefanten“ und „Dann schlägt dein Herz“ fast komplett präsentiert. Doch eigentlich brennt nicht „es“ so schön, sondern Schulz. Schlagfertig gibt er Einblicke in die Entstehungsgeschichte seiner Songs – „da habe ich die Gala gelesen“ – oder er-zählt von seinen Erfahrungen bei Stefan Raab.
In diesen Momenten, wenn Schulz herrlich selbstironisch mit sich ins Gericht geht, merkt man dem Künstler an, wie sehr ihm Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und seine Kunst am Herzen liegen. Denn ganz ehrlich: Olli Schulz ist eben ein echt netter Kerl.
