OLDENBURG - Wer intensiv beobachtet, wie hart die Bratschengruppe in Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie c-Moll arbeiten muss, reißt keinen der abwertenden Bratschenwitze mehr. Und er zollt dem ganzen Universitäts-Orchester beim Semesterkonzert in der voll besetzten Aula an der Ammerländer Heerstraße vorbehaltlos Respekt. Da spannen alle den großen Bogen im Geiste über Beethovens auch handwerklich herausfordernden Hit und formen trotzdem akkurat die Details.
Für Viola und Kontrabass gelten Passagen aus der Fünften als Vorspielstücke bei Bewerbungen von Orchestermusikern. Doch in Stolperfallen tappen auch die Bässe nicht, wenn sie sich zusammen mit den Celli ins aufrüttelnde Fugato des Trios stürzen. Sattelfest zeigen sich auch die Hörner. Dirigent Rida Murtada hat ebenso intensiv wie beflügelnd die Grundlagen geschaffen und gefestigt.
Spannung und Dramatik
Sprengsätze gehen in diesem Beethoven erwartungsgemäß nicht hoch. Diese Fünfte verwirrt den Zuhörer nicht mit Widerspenstigkeiten, sie erbaut ihn. Murtada vermittelt das Vertraute. Gleichwohl verschmäht er ausgewölbtes Pathos. Er baut Spannung und Dramatik organisch auf und hält sie hoch, weil er motivische Entwicklungen logisch verdeutlicht.
In zwei Konzerten besticht das Universitäts-Orchester mit Qualitäten, auch rhythmische Unebenheiten im Zusammenspiel mit den Solisten auszugleichen. Das geht in Bernard Crusells 2. Klarinettenkonzert f-Moll in den Modulationen etwas zu Lasten des organischen Aufbaus von Spannungsspitzen. Annika Ueffing verwebt ihr Klarinettentimbre elegant mit dem romantischen Grundton im Orchester, scheut auch keine harten Staccati und spitzen Höhen.
Funkelnder Klang
Corinna Sandfort und Andreas Behme fassen derweil Franz Berwalds jugendlich brillantes E-Dur-Konzert für zwei Violinen und Orchester von 1817 weniger als fetziges Virtuosenstück sondern verhaltener als Spielmusik mit funkelndem Klang und augenzwinkernder Distanz. Das Fundstück erweist sich in seinen Polacca- und Marcia-Teilen als Schmankerl.
Spontan begeistern auch zwei „hauseigene“ Komponisten. Uni-Mitarbeiter Roberto Reales ganz kurzes „Far Bollire“ rollt als Accelerando, als kompaktes Beschleunigungsstück ab. Orchester-Pauker Jannik Arndt hat gar eine „1. Sinfonie“ komponiert. Er kennt die Fähigkeiten seiner Mitspieler und unterfordert sie auch nie. Man könnte sich einen Film zu den hymnischen Steigerungen und zu den wogenden Flächen ausmalen.
Vielleicht hätte Musik des Finnen Jean Sibelius, wäre er Amerikaner gewesen, so geklungen.
