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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Konzert: Eine Suite ersetzt eben doch keine Sinfonie

03.02.2020

Oldenburg Nicht geschriebene Sinfonien regen durchaus die Fantasie an. Gustav Mahler hat keine Zehnte geschrieben, doch Musikwissenschaftler setzten nach Skizzen eine Zehnte genannte zusammen. Von Johannes Brahms ist keine Fünfte bekannt. Aber in hoher Anerkennung wird schon mal ein anderes Werk tituliert, die „Symphonia tragica“ op. 40 von Felix Draeseke. Könnte da auch etwas sein mit einer siebten Sinfonie von Peter Tschaikowski? Eignet sich dazu seine im 4. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters gespielte groß angelegte dritte Orchestersuite?

Doch im ausverkauften Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters wird rasch klar: Die vier Sätze von 1884 bringen zwar herrliche Musik. Aber ihren Themen fehlt der Ausdruckskontrast, den Durchführungen die dramatischen Reibungen, dem großen Ganzen eine Grundidee.

Im Finalsatz, am Ende der zwölften Variation, schwillt das Orchester noch zu einem enormen Rums- und Schepper-Ausbruch an, aber diese Polonaise stellt sich dann doch aufgesetzt ein. Und verglichen mit dem unaufhaltbaren Geschwindmarsch in der Sechsten ist dieses plappernde Dialogspiel im Scherzo eben doch „nur“ Suiten-Musik.

Doch von der Musik und der Umsetzung her ist das ein echter Gewinn. Gastdirigent Shao-Chia Lü, Chef des Taiwan National Symphony Orchestra und auch in Deutschland schon in hohen Positionen tätig, hatte sich das durchaus kompositorisch reiche Werk speziell für Oldenburg gewünscht.

Lü ist ein Mann mit motivierenden, oft elegant sich kreisend rundenden Bewegungen, mit denen er und das Orchester eine enorme dynamische und koloristische Breite und Weite durchmessen. So halten Gesamtklang und solistische Passagen wundervoll das Gleichgewicht (Lev Gelbard/Violine, Jan Berg-ström/Englischhorn).

Gebrauchsmusik im besten Sinne ist das Posaunenkonzert des Franzosen Henri Tomasi von 1956. Solist Frederic Belli, vor vier Jahren schon umjubelter Solist im Motor-bike-Concerto von Jan Sandström, besticht auch hier mit einem mitreißenden Plädoyer für sein beredtes Instrument. Sein Spiel hat Energie und Esprit in Debatten und Zwiesprachen mit dem Orchester, in den bluesartigen versonnenen Klängen des „Nocturne“ und in den rhythmischen Finessen des „Tambourin.“ Ohne Zugabe, einem Piazzolla-Werk mit den Streichern, kommt der Soloposaunist des SWR-Sinfonieorchesters nicht von der Bühne.

„Ma mère l’oye“, auch eine Suite, hat schon eingangs Zeugnis abgelegt vom Gelingen höchst filigraner Gestaltungsfeinheiten. Doch Dirigent und Orchester beschränken sich nicht nur auf eine raffiniert-naive Darstellung der Märchenerzählungen von „Mutter Gans.“

Zum einen erfährt bei Pagoden-Königin Laideronette die Nachahmung des asiatischer Gamelan-Klangs eine brillante Umsetzung. Zum anderen lässt Lü auch über die Unterhaltung der Schönen mit dem Biest Nachdenklichkeit einfließen. Rein zauberhaft ist auch die Welt im Feengarten nicht.

Das Konzert wird an diesem Montag um 19.30 Uhr im Großen Haus wiederholt.

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