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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Konzert: Ergreifender Abschied und gefährliches Tempo

20.11.2018

Oldenburg Was sind das doch für herrliche Kreuzfahrten!

Die MS „Gustav Mahler“ ist ein riesiges Schiff, mit Luxus und Leben auf allen Decks. Mit einer aufreizenden Mischung aus maßloser Genusssucht und schlechtem Gewissen. Mit diesem Nebeneinander von Größe und Trivialität. Und Mahler (1860– 1911), dieses hoch neurotische und tief leidende Genie packt unmittelbar. Dieser zwischen 19. und 20. Jahrhundert zerrissene Komponist lässt den Untergang einer ganzen abendländischen Epoche nah spüren. Nettes Gruselgefühl dabei. Die Katastrophe ist ja 100 Jahre her.

Am Ende eines Mahler-Zyklus’ über acht Jahre und drei Dirigenten steht in der voll besetzten Oldenburger Weser-Ems-Halle „Das Lied von der Erde“. Hendrik Vestmann steuert nach Alexander Rumpf und Roger Epple als Kapitän das Schiff mit einer engagierten Besatzung. „Mahler bleibt zu jeder Zeit etwas ganz Großes”, sagt Lev Gelbard, als Konzertmeister sozusagen der 1. Offizier an Bord.

Mozarts Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543 ist sehr sinnfällig vorangestellt. Die Einleitung misslingt noch, verhuscht zischen die Zweiunddreißigstel-Girlanden herunter. Doch dann lässt Vestmann diesen Schwanengesang zu einem beglückenden Lied ohne Worte auf die Schönheit werden. Überhaupt zeigt sich das Staatsorchester gut vorbereitet.

Bei Mahler mit ihrer sich oft in Einzelstimmen auflösenden Melodik verfügt es über prägende Solisten (Stephania Lixfeld/Flöte, Lidia Favaretto/Fagott, Jason Denner/Klarinette und etliche mehr). Und man beachte ausgearbeitete Feinheiten wie bei der Textstelle „Das Ross des einen wiehert fröhlich auf“. Da gibt die Gesangsstimme wirklich wie in der Partitur verlangt den Schritt vor und lässt sich nicht vom Apparat fortziehen.

Mahler hatte durch das „Lied von der Erde” abergläubisch vermieden, schon eine neunte Sinfonie zu komponieren. So hat er auf eher kunstgewerbliche Texte nach chinesischer Lyrik von Hans Bethge eins der ergreifendsten Abschiedswerke der Musik geschaffen. In Ann-Beth Solvang (Mezzosopran) und Zoltán Nyári (Tenor) erleben die Hörer nahezu ideale Interpreten. Sie stehen auch gegenseitig in Spannung. Nyári nimmt dem Weltschmerz des Trinkenden und Trunkenen etwas die Schwere. Solvang gibt dem Fortziehenden, der „Ruhe für sein einsam Herz” sucht, mit ihrem angenehm dosierten Vibrato etwas mehr davon zurück. Vestmann stützt das markant durch sein fast schon gefährlich zurückgenommenes Tempo in diesem halbstündigen Schlussteil.

Immer bleibt Mahler unheimlich. Schleicht da nicht so eine diffuse Ahnung herum, dass man selbst ja auch am Ende einer Epoche leben könnte?

Wohlig fühlt sich die Gänsehaut dabei nicht an. Von wegen: „Die liebe Erde allüberall blüht auf – ewig...”

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