OLDENBURG - Für manche ist eine Oper wie ein guter Wein. Beim allerersten Schluck verzieht man noch das Gesicht, doch mit jedem weiteren besteht die Gefahr, dass man sich von ihm verführen lässt. Die Besucher der Weser-Ems-Halle ließen sich am Ostersonntag auch verführen. Und zwar von den Ten Tenors. Das zehnköpfige Vokal-Ensemble und sein Pianist Michael Manikus begeisterten mit ihren unglaublichen Opernstimmen und ihrem australischen Charme für geballte zweieinhalb Stunden.
Mehr als klassische Oper
Mit den Worten „Hey Oldenburg! How are you doing?“ begrüßte Dominic Smith, der von den anderen Tenors liebevoll als ‚Panda‘ bezeichnet wird, das Publikum. Wer gekommen war, um eine klassische Oper zu sehen, stellte schnell fest: Die Ten Tenors sind von einem ganz anderen Schlag. Bei ihrer unterhaltsamen Performance trifft Operngesang nämlich auf Rock n Roll und Pop, sie sind zugleich Entertainer und Varietékünstler.
Gleich mit dem ersten Lied, Luciano Pavarottis „Il Gladiatore“, erfüllten die einfühlsamen und gewaltigen Stimmen der zehn Tenöre die Konzerthalle mit einer tiefen Melancholie, die durch Mark und Bein ging. „Es ist ein Geschenk des lieben Gottes, eine solche Stimme zu haben“, beschrieb die merklich bewegte Ingeborg Janßen (67) die musikalische Darbietung der Australier. „Wir haben ein sehr großes Repertoire an Songs“, erklärte Graham Foote, Sänger und musikalischer Direktor.
Das Programm ihrer aktuellen Tournee setzt sich aus einer bunten Mischung ganz unterschiedlicher Lieder zusammen. Klassische Stücke wie „Nessun Dorma“ (Giacomo Puccini) und „Anvil Chorus“ (Giuseppe Verdi) kontrastieren mit „Kiss from a Rose“ (Seal) und „The show must go on“ (Queen). So variabel wie ihre Musik, sind auch die Ten Tenors selbst. Doch Graham Foote zählte auch ihre Gemeinsamkeiten auf: „Wir sind jung, sexy und lieben vor allem eins. Die Oper!“
Perfekte Abstimmung
Die Stärke der Sänger lag vor allem darin, dass sie perfekt aufeinander abgestimmt waren. Die stimmlichen Übergänge waren weich und voller Emotionen, die Tonlagen ausbalanciert und facettenreich. „Es ist eine optimale Art, Operngesang auch jüngeren Generationen näher zu bringen“, sagte Philip Reimers (29), der die Ten Tenors zum ersten Mal live sah.
Kontakt zum Publikum
Nach einer unterhaltsamen Performance gab es zum Abschluss eine stehende Ovation nach der anderen. Mit einem kühlen Bier in der Hand standen die Tenöre anschließend im Foyer für Autogramme zur Verfügung.
Bei dem Andrang überwiegend weiblicher Fans stellte man sich am Ende die Frage: Sind die Ten Tenors eigentlich Opernsänger oder doch Popstars? Schwer zu sagen, aber wahrscheinlich ist es gerade diese Mischung, die sie so einzigartig und sympathisch macht.
