OLDENBURG - Den Blick konzentriert auf eine neu verschaltete Leiterplatte aus einem ausgedienten elektrischen Gerät gerichtet, standen sie da: sechs Aufführende, die keine besonderen Fähigkeiten brauchten, außer der Fähigkeit zuzuhören, auf die anderen zu reagieren und vor allem Neugierde beim Entdecken neuer Klänge.

Das ist wörtlich zu verstehen, denn mit metallenen Stäben wurden unvorhersehbare Geräusche und Rückkopplungsprozesse ausgelöst, die sich durch kleinste Bewegungen veränderten. Nicolas Collins, der aus New York stammende Klangkünstler und Komponist, saß abseits und konnte mittels Lichtsignal das wuselige, geräuschhafte Treiben erstarren und Klangflächen entstehen lassen.

Hinter dem humorvoll erscheinenden Spiel deutet der Titel „Salvage (Guiyi Blues)“ von 2008 auf die Abgründe riesiger Berge von Elektroschrott in der chinesischen Provinz Guiyi, auf welchen Menschen sich auf der Suche nach wiederverwertbaren Elektrikteilen vergiften. Das Publikum zeigte sich auch von seinem „In memoriam Michel Waisvisz“ (2009) sehr angetan, welches in der Umsetzung ebenso raffiniert wie vom Konzept her einfach gestaltet war: Ein Lebenslicht erzeugt Klang in vier Oszillatoren und verschwindet mit der erlöschenden Kerze.

Der eigentliche Star des Abends war allerdings David Behrman, der seit den 1960er Jahren insbesondere durch Kooperationen mit John Cage und der Tanzcompany von Merce Cunningham Berühmtheit erlangte. Ähnlich wie bei Collins kam es in seinem „Freeze dip“ (2008) zu eingefrorenen Klängen. Behrman spielte auf der Geige einzelne Klänge. Im Computer addierten sich diese in gegeneinander verschobenen Schichten zu einem sphärischen Klangraum.

Auch in anderen ähnlich aufgebauten Kompositionen führte der Komponist vor, wie sich Geigenklänge durch angestoßene Echtzeit-Computerprozesse verselbständigten. Die Besonderheit lag stets in der Ruhe der Ausführung und wenigen künstlerischen Mitteln mit denen unaufdringliche, mystische, immer wieder auch pulsierende und groovende Musik entstand.

Jens Brand, Kurator dieses unter das Motto „Interaktivität mit Maschinen“ gestellten Konzerts hatte die beiden amerikanischen Künstler am Sonnabend ins Edith-Ruß-Haus geladen und damit das laufende „Klangpol“-Projekt (www.klangpol.de) um einen wichtigen Aspekt zeitgenössisch klanglicher Ausdrucksformen bereichert.