OLDENBURG - Oben ist die Luft dünn und die Welt ein Dorf. Ein guter Ruf, der einem vorauseilt, eine Empfehlung erleichtern den Eintritt. Die sich bewerben, haben sich der Regel vorher der Rückendeckung ihres Hochschullehrers versichert; auch kann der eine oder andere bereits einen Preis vorweisen, errungen in einem der großen internationalen Wettbewerbe.

Es ist ein Kreis der Erwählten, der sich schließlich im Kloster Frenswegen trifft, um alljährlich gegen Ende der Sommerferien im Rahmen der „Internationalen Sommerakademie für Kammermusik Niedersachsen“ der eigenen musikantischen Vervollkommnung im Ensemble zu frönen. Dieses Jahr waren es 61 junge Musiker aus aller Welt, die sich, angeleitet von namhaften Lehrern, über drei Wochen in wechselnden Besetzungen Werke erarbeiteten, 41 an der Zahl, die in 13 Konzerten vorgestellt werden.

Dabei, so Prof. Klaus Becker in seiner Begrüßung, sei es den Dozenten ein Anliegen, für Oldenburgs Öffentliche Versicherung als einen der Hauptpartner der Finanzierung stets ein besonderes Konzert auszurichten.

Und in der Tat: Die Gäste im Kleinen Haus profitierten auch in diesem Jahr reichlich von den Anstrengungen der Akademie. Wo sonst wird ein so kühnes, farbenreiches Programm geboten mit Mozart, Beethoven, Poulenc und Françaix? Mit Klavier, Streichern und Bläsern? Und wo all das in einer so erlesenen Qualität?! Es sind die Stars von morgen, die hier ihre Visitenkarten abgeben: Die taiwanesische Pianistin Yuan-Jou Hsu etwa, die selbst dem eher müden Es-Dur-Quartett Mozarts (KV 493) Esprit einzuhauchen verstand und in Poulencs quietschfidelen „Sextuor“ mit Intelligenz und Energie Akzente setzte. Oder die Hornistin Jessica Hill aus den USA, die samtenen Ton, weite Dynamik und markante Kraftentfaltung miteinander verband. Oder – die Reihe ließe sich endlos fortführen – der deutsche Kontrabassist Ulrich Zeller, der mit fein facettiertem Spiel durch das kontrastreiche „Dixtuor“ von Françaix geleitete.

Was die Konzerte der Sommerakademie auszeichnet, ist jene unvergleichliche Mischung aus jugendlichem Überschwang, Spielfreude und -kunst und Lampenfieber, eine prickelnde Erregung, die die Zuhörer mitreißt, sie stimuliert. Auf tritt das „Anima Quartett“, vier junge Russen, um Beethovens Streichquartett op. 95 zu geben. Die Geigerinnen schwitzen mit der Bratschistin um die Wette, der Cellist weiß vor Nervosität nicht, wohin mit den Beinen. Aber welches Glanzstück liefern die Vier ab! Den tiefsten Ernst, die abgründigsten Zweifel ausleuchtend, klar, streng und beredt: eine mustergültige Darbietung. Und das feinnervige Publikum fühlt und fiebert mit und mag nicht aufhören, mit Applaus zu danken.